Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969341
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Italienische 
Architektur. 
erbaut wurdeä). Das Nonplusultra phantastisch-reichen Schmucks 
ist dann endlich die Faeade der Stadtkirche (Pieve) zu Arezzo, 
welche um 1216 vollendet wurdeää). An dem Pisaner Dome und 
andern ältern Kirchen dieses Styls ist die Zahl der Arcaden in 
allen obern Gallerien gleich und zwar die doppelte der grossen 
blinden Arcaden des Untergeschosses, so dass also bei ihnen 
Säule auf Säule steht. Hier dagegen hat jede der drei Zwerg- 
gallerien andre, immer abnehmende Dimensionen und eine schein- 
bar regellos zunehmende Zahl der Arcaden. Bei näherer Be- 
trachtung findet man freilich eine Regel, aber eine sehr sonderbare; 
der Baumeister hat nämlich nicht, wie gewöhnlich und mit Recht 
geschieht, die Zahl der Arcaden, sondern die der Säulen in's Auge 
gefasst, Welche natürlich immer um Eins grösser ist als jene. Das 
Untergeschoss hat fünf Arcaden und folglich 6 Säulen, in der 
ersten Gallerie ist die Säulenzahl 12, in der zweiten 24, in der 
dritten endlich, da eine weitere Verdoppelung nun doch zu stark 
gewesen wäre, 32, und mit diesem vierten Stockwerk, also ohne 
Giebel, schliesst dann das Gebäude. Der Baumeister hat also nicht 
aus Nachlässigkeit, sondern durch Künstelei gesündigt; er hat das 
bisherige System verbessern wollen und dabei, entweder weil er 
nicht fühlte, worauf es ankam, oder aus Widerspruchsgeist gegen 
seine Vorgänger, statt der Arcaden die Säulen verdoppelt, wo- 
durch denn die ganz unklare Steigerung der Arcaden von 5 auf 
11 , 23, 31, und die Folge hervorgebracht ist, dass jede Säule auf 
a) Auf dem Spruchbande einer Figur an einer Säule in der Nähe des 
Oampanile:  
Condidil; electi tam pulchras dextra Guidecti. MCCIV. 
Da man zu pulchras wohl nichts andres als columnas suppliren kann, so 
wird characteristischer Weise der Baumeister gar nicht als solcher, sondern 
nur als Plastiker gerühmt. 
"Ü Vasari (im Leben des Arnolfo, I. 244), 'der dieses Jahr als das der 
Erbauung und seinen Landsmann Marchionne, dem er auch eine Reihe von 
Bauten in Rom zuschreibt, als den Baumeister nennt, wird dafür zwar keinen 
andern Beweis" gehabt haben, als eine noch jetzt vorhandene Inschrift, die sich 
an den Portals culpturen befindet und nur von diesen spricht: A. D. MCCXVI. 
mense Madii. Marchion sculpsit, (presbyter) Matheus munera fulsit. Indessen 
wird diese Sculptur ohne Zweifel während oder gleich nach der Erbauung der 
Facade ausgeführt und also die J ahrszahl auch für das Architektonische maass- 
gebend sein.
        

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