Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969326
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Italienische 
Architektur. 
auch nicht eine absichtliche Abenteuerlichkeit, so liess man sich 
doch die wunderliche und drohende Erscheinung gefallen. 
Während der ganzen Dauer des XII. Jahrhunderts war der 
Pisaner Dom für alle Kirchbauten Toscanais maassgebend, freilich 
überall mit Beschränkungen. Die Kuppel und die Kreuzarme 
blieben fast immer fort, man begnügte sich mit der einfachen Ba- 
silikenanlage, schmückte aber die Wände im Innern und Aeussern 
oder wenigstens Facade und Chemische wie dort mit Arcaden 
und Gallerien, die man indessen zuweilen aus Sparsamkeit auch 
in den obern Stockwerken nur blind anlegte. Kirchen dieser Art 
sind unter andern in Pisa selbst S. Frediano, S. Andrea, S. Pierino; 
in Lucca S. Giovanni, S. Maria foris portam, S. Frediano und die 
von 1203 datirte Faeade von S. Pietro Somaldi; in Pistoja S. An- 
drea, S. Giovanni fuor civitas mit der datirten Facade von 1166 
und der Dom, dessen Facade wahrscheinlich nach einem Brande 
von 1202 errichtet ist  endlich auch die Kathedrale in Massa. 
Indessen war diese Nachahmung nicht sclavisch, sondern in jeder 
dieser andern Städte mit gewissen Eigenthümlichkeiten. In Pistoja 
liebte man freiere, leichtere Verhältnisse und Weniger gedrängten 
Schmuck, in Lucca einen Anklang antiker Strenge, so dass an 
S. Frediano und an S. Maria foris portam, hier nur an der Chor- 
nische, dort auch an der Facade die Säulenreihen statt der Bögen 
grades Gebälk tragen. 
Auch im Anfange des XIII. Jahrhunderts erhält sich im 
Ganzen dieselbe Weise, nur dass die Lust am Kräftigen und an 
plastischen Gebilden immer mehr von der Anmuth und der maass- 
vollen Würde des früheren toscanischen Styls ableitete. Das 
früheste Beispiel solcher Neuerungen giebt die Fagade von 
S. Michele zu Lucca, welche Kirche als Versammlungsort des 
städtischen Senates besonders reich geschmückt wurde. Hier 
sind zunächst die Säulen des Untergeschosses höher, stärker 
heraustretend und dabei durch starke Verjüngung noch höher er- 
scheinend, dann die Schäfte in den beiden ebenfalls ziemlich hoch 
Ü Vasari lässt zwar den Nicolö Pisano im Jahre 1240 „die Zeichnung" 
des Domes geben (ed. n. I. 264); allein die Localschriftsteller (Tolomei, Guida 
pag. U] schreiben ihm aus guten Gründen nur die Wölbung zu, während die 
Faqade älter erscheint.
        

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