Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969291
Baptisterium 
ZU 
Pisa. 
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stämme von vortreiilichster Ausführung, namentlich sind die klei- 
neu Köpfe an den Bogenansätzen der Gallerie plastische Meister- 
werke. Häufig sind antike Ueberreste verwendet, selbst die acht 
grossen Granitsäulen des Innnern sind zum Theil antik und un- 
gleichen Maasses, und von den korinthischen Kapitälen zeigen 
einige noch die Embleme heidnischer Götter. Aber auch an den 
zur Zeit des Baues gearbeiteten ist das Blattwerk mit grosser 
Freiheit und mit unverkennbarem Verständniss der antiken M0- 
tive ausgeführt, auch scheint es eine antike Reminiscenz, dass 
die Säulen und Pfeiler des Innern sämmtlich (was auch schon im 
Dome theilweise vorkommt) einen architravartigen Aufsatz haben. 
Dagegen enthalten die Mosaiken des Bodens sehr bekannte mau- 
rische Muster, welche, da die Anwesenheit maurischer Arbeiter 
nicht anzunehmen ist, nach im Orient aufgenommenen Zeichnun- 
gen gefertigt sein werden. Jene Anhänglichkeit an die Antike 
that also nicht bloss der Freiheit eigner Erfindung, sondern auch 
der Empfänglichkeit für fremde Leistungen keinen Abbruch. 
Lange ehe die Taufkirche vollendet war, begann man den 
dritten Prachtbau des Domplatzes, den Glockenthurm. Das 
Jahr der Gründung 1174 ist durch eine Inschrift festgestellt und 
als Baumeister werden laut alter Tradition, Bonanno, der als Bildner 
in Erz noch später zu erwähnen ist, und ein Deutscher, Wilhelm 
von Inspruck, genannt, von dem übrigens sonst nichts bekannt 
ist ff) und dessen fremde Herkunft sich auch in dem Gebäude nicht 
zu erkennen giebt. Dieses ist vielmehr eine sehr rationelle, aber 
auch etwas trockne Ausbildung des ächt italienischen Gedankens 
eines selbstständigen Glockenthurms und zwar vermittelst des 
pisanischen Arcadenschmucks. Der Thurm ist nämlich nicht wie 
gewöhnlich viereckig, sondern (bei seiner Isolirung ganz con- 
sequent) cylindrisch gebildet und zwar in sieben Stockwerken, 
einem grössern Untergeschosse und sechs kleineren Geschossen 
von ungefähr gleicher Höhe und doppelter Säulenzahl ihrer frei- 
stehenden Arcaden. Welchen Abschluss nach oben man ursprüng- 
 Vasari im Leben des Arnolfo sagt nur, dass dieser Wilhelm, "wie er 
glaube", ein Deutscher gewesen. Die nähere Angabe des Geburtsortes beruht 
auf der (muthmaasslich auf eine archivalische Nachricht gegründeten) Angabe 
des Schottländers Dempst-er, der im XVTI. Jahrhundert Professor in Pisa war.
        

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