Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969280
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Italienische 
Architektur. 
kreisformigen Umfangsmauer begrenzen zwölf Stützen, acht mäch- 
tige Säulen und vier regelmässig dazwischen gestellte viereckige 
Pfeiler, einen innern Kreis und tragen vermittelst hochgestelzter 
Rundbögen ein zweites durch zwölf Pfeiler gebildetes Stockwerk, 
auf dessen Bögen die Kuppel ruht, die nun aber nicht kugelförmige 
Gestalt hat, sondern als ein ziemlich steiler Kegel noch 65 Fuss 
aufsteigt. Ueber den Kreuzgewölben jenes erwähnten Umganges 
liegt eine mit einem Tonnengewölbe gedeckte, hohe Empore, von 
welcher auf ihrer innern Seite die hohe und steile Kuppel, auf der 
äusseren aber eine zweite kugelförmige Wölbung aufsteigt, welche 
sich an die Kuppel anlegt, so dass die ganze Kuppel im Aussenbau, 
da jene ansteigende Kugel in ihrer Mitte durch die Kegelgestalt 
der innern Kuppel durchbrochen wird und mit derselben ein Gan- 
zes bildet, eine fast birnförmige Gestalt erhält. Wahrscheinlich ist 
diese sonderbare Anlage indessen nicht dem ersten Baumeister 
zuzuschreiben, denn die Spitzgiebel und Maasswerkfenster an 
der obern Arcatur verrathen, dass diese Theile frühestens in der 
Spätzeit des XIII. Jahrhunderts ihre Vollendung erhalten haben 
können. In der Decoration der untern Theile dagegen erkennen 
wir den Jünger des Dombaumeisters und den maassvollen Sinn 
dieser frühen toscanischen Schule. Die äussere Decoration besteht 
nämlich unten aus zwanzig hohen Arcaden von ziemlich stark ans- 
ladenden Halbsäulen und etwas überhöhten Rundbögexi, und da- 
rüber auf einem nicht ohne antike Reminiscenz gebildeten Hori- 
zontalgesimse aus einer Gallerie von ziemlich schlanken freistehen- 
den Säulen wiederum mit stark überhöhten Bögen. Wahrschein- 
lich sollte diese Gallerie wieder von einem Gesimse geschlossen 
werden, während ihr jetzt jene schon erwähnten Spitzgiebel sehr 
bizarr und unschön aufgesetzt sind. Alle aus der ersten Bauzeit 
herstammenden Theile sind sehr reich und geschmackvoll verziert, 
die Wände in weissem Marmor von schwarzen Streifen durch- 
zogen, Kapitäle, Bögen, Zwickel, zum Theil selbst die Säulen- 
panile, und der spitzbogige achteckige Bau der Kirche wird erst der zweiten 
Hälfte des XIII. Jahrhunderts angehören. Die Maasse des Baptisteriums sind: 
Innerer Durchmesser des ganzen Gebäudes 96 Fuss, des innern Kreises oder 
der Kuppel an ihrem Fusse 57, innere Höhe vom Boden bis zum Gesimse 
unter der Kuppel 87 Fuss, der Kuppel 65 Fuss.
        

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