Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969260
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Italienische 
Architektur. 
in der That ein Fremdling in dieser unruhig-bewegten, kräftigen 
Zeit und wurde sehr bald durch eine zweite, ihr verwandte 
welcher zwar der "ausgezeichnete Meister, der dies hervorragende Kunstwerk" 
machte, nicht, wohl aber die Jahreszahl 1093 ausdrücklich als die des Anfangs 
und die Namen dreier Priester genannt sind, deren Fleiss und grosser Arbeit 
man das Werk, d. h. doch wohl die zu demselben erforderlichen Summen ver- 
danke. (Hoc opus eximii prepollens arte magistri  bis novies Iustris annis jam 
mille peractis  ac tribus est ceptum post natum virgine Verbum.  Quod stndio 
fratrum summoque labore patratnm  Constat Rudolfi Bonizonis presbiterorum 
 Anselmi Rolandi presbiterique Gerardi etc.) Die Aechtheit der Inschrift ist 
so unzweifelhaft und die Uebereinstimmung mit der Facade von S. Miniato so 
gross, dass man nothwendig auch diese für ein Werk ungefähr derselben Zeit, 
höchstens also vom Anfange des XII. Jahrhunderts, halten muss. Die für 
S. Miniato geltend gemachte Jahreszahl 1013, gegen welrhe Burckhardt und 
Kugler streiten, ist allerdings nicht auf die Fagade zu beziehen, da sie nur 
das Datum einer für einen zu unternehmenden Neubau der Kirche bestimmten 
Schenkung Kaiser Heinrichs II. ist, in deren Folge dann erst allmälig der Bau 
bis zu diesem äussersten Westende vorgeschritten sein wird. Eben so wenig 
maassgebend ist aber die von Kugler und Burckhardt auf die Faeade bezogene 
Jahreszahl 1207, welche eine Inschrift im Mosaikfussboden des Schiffes unfern 
der Facadenmauer enthält. Denn die noch lesbaren Worte dieser beschädigten 
Inschrift deuten darauf hin, dass diese Verschönerung ein ganz unabhängiges, 
nach der Vollendung des Gebäudes und namentlich auch des Einganges ge- 
stiftetes Werk war: "Elis valvis ante celesti nnmine dante MCCVII. re    
Metricus et judex hoc fecit condere Joseph."  (Eine dritte Zeile enthält nur 
fromme Wünsche für den Stifter.) Diese Jahreszahl ist also gleichgültig und 
da bei keinem der andern verwandten Gebäude von antikisirender Tendenz in 
und bei Florenz ein andres Datum vorkommt, so wird man sie sämmtlich in 
die durch die Facade von Empoli fixirte Zeit bringen müssen. Dass das Datum 
von 1293, welches Vasari im Leben des Arnolfo für die gesammte Marmor- 
bekleidung des Baptisteriums von Florenz angiebt, irrig sei, indem Arnolfo 
nur die bis dahin noch unbekleideten Ecken mit weissem Marmor auslegte, ist 
schon von Rumohr und Kugler vermuthet und aus den von den Herausgebern 
des Vasari (I. 251] angegebenen Gründen als völlig erwiesen anzunehmen. 
Wenn daher Burckhardt a. a. O. die ganze Gruppe dieser verwandten Gebäude 
und Ueberreste, welche ein bewusstes Zurürkgreifen auf antike Verhältnisse 
zeigen (das Baptisterium, die kleine Basilika SS. Apostoli, dann die Vorhalle 
von S. Jacopo sopi" Arno, der Rest der alten Faeade an der Badia auf dem 
Wege nach Fiesole, und endlich S. Miniato, wozu auch noch einige Reste an 
S. Salvadore, der kleinen Kirche am erzbischöflichen Palast, und an S. Leonardo 
bei Florenz gehören) in die Zeit "kurz vor oder um das Jahr 1200" verweist, 
so ist das nur dadurch erklärbar, dass er eben Empoli nicht kannte. Kugler 
a. a. 0. geht schon etwas weiter zurück, setzt aber doch S. Miniato erst an den
        

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