Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969242
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Italienische 
Architektur. 
Italien gar nicht sprechen; das Romanische ist hier nicht Styl, 
sondern Natur, die sich auch in der italienischen Form der Go- 
thik Wieder geltend machte. Scharf gesonderte Epochen entstan- 
den daher nicht, die Geschichte hat mehr den Charakter eines 
gleichmässigen sehr ruhigen Verlaufs, bei dem das Interesse 
mehr in den Aeusserungen des individuellen Geistes als in allge- 
meinen Fortschritten beruht. Die chronologische Bestimmbarkeit 
ist daher sehr geringe und es giebt Fälle, wo längst veraltete 
Formen wieder in vereinzelte Anwendung gebracht sind. 
Wichtiger ist das geographische Element. Es giebt Gegen- 
den, wie Venedig, welche einen bleibenden baulichen Local- 
charakter haben, der sich ebenso unverändert erhält, wie das all- 
gemeine italienische Raumgefühl. Es giebt andere, wie z. B. Tos- 
cana, WO ohne solche natürliche Verschiedenheit das städtische 
Leben so rege war, dass jede grössere Stadt bauliche Eigenhei- 
ten und also gewissermaassen einen eigenen Styl ausbildete, der 
sich wiederum lange erhielt. Allein diese Localgewohnheiterl sind 
eben nur Erscheinungen des herrschenden Individualgeistes in 
grösserenl Maassstabe, während derselbe andrerseits die Bildung 
von wirklich künstlerischen Provinzialschulen erschwert, und 
namentlich vom Beginn des XIII. Jahrhunderts an die wechselnde 
Kunstliebe es mit sich bringt, dass berühmte Meister in ganz 
Italien begehrt und herbeigerufen werden und so ihren VVirkungs- 
kreis weithin ausdehnen und zum Erlöschen der provinziellen Be- 
sonderheiten mitwirken. Nur eine Grenzscheidung ist wie in po- 
litischer so auch in künstlerischer Beziehung von bleibender 
Wichtigkeit; die zwischen der monarchisch regierten und orien- 
talisch ruhigen, südlichen Region und dem übrigen, mehr von 
nordischen Einflüssen berührten und überwiegend freislädtischen 
Italien. Dieses ist eigentlich allein thätig und Vorangehend, der 
ausschliessliche Träger der Geschichte, jenes nur der empfangende 
und die dort erzeugten Formen mit schwachen Moditicationen 
aufnehmende Theil, und es erscheint zweckmässig, beide auch in 
unserem Vortrage zu trennen und Süditalien erst zuletzt in raschem 
Ueberblicke des ganzen Kunstgebietes zu betrachten. 
In dem Zeitpunkte, wo wir die Baugeschichte wieder aufzu- 
nehmen haben (1150) zerfiel diese nördliche Hälfte Italiens in drei
        

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