Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962215
Trachten. 
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tastischen Llebermuthes gaben. Man kann sich daher nicht wun- 
dern, wenn Froissard es gern ansmalt, wie Banner und Fähnlein 
flattern, Ritter und Knappen in leuchtenden und zierlichen Rü- 
stungen über das Feld sprengen, Pferde mit reichen WVappen- 
Stickereien vorbeigeführt werden; wenn er dann prüfend und 1nit 
Kennermieiie hinzufügt, dass es von grosser Schönheit und un- 
tadelhaft gewesen 44], 
Allerdings sind die 'l'rachtex1 dieser Zeit, sowohl die ritter- 
lichen wie die der Bürger, keinesweges durchgängig geschmack- 
voll oder auch nur zweckmässig; die Schnabelschuhe, die ellen- 
langen, bis zur Erde herabhängenden Ileberärmel, die Farben- 
verschiedenheit der beiden Körperhälften sind geradezu hässlich 
und verkehrt, die vielen ausgezackten Ränder der Kleider, die 
Buntfarbigkeit der Muster, der Ueberfiuss an goldenen und sil- 
hernen Zierrathen, mit denen sich die Frauen und die Vor- 
nehmen behängten, gaben der Erscheinung einzelner Gestalten 
etwas Unruhiges und Ueberladexies. Indessen War doch meist 
dafür gesorgt, dass die Körperform deutlich hervortrat, so dass 
sich jene Uebertreibungen als Zusätze und Anhängsel von ihr 
ablösten und, wenn auch an sich weder einfach noch edel, doch 
durch ihre Art und Gßestaltung, Ausdehnung oder Beschränkung 
den Vortheil individuellen Ausdrucks gewährten. Mag daher 
diese Tracht das Gepräge von Sinnlichkeit und Eitelkeit, Hof- 
fahrt und bizarrer Willkür tragen, sie ist jedenfalls weder plump 
noch langweilig und musste bei Versammlungen grosser Men- 
schenmassen den Eindruck eines jugendlichen, lebensfrohen 
Wesens, ein heiteres, glänzendes Bild geben, das nicht blos das 
Auge, sondern auch den Sinn beschäftigte, indem sie ihm die 
Verschiedenheiten der äusseren Verhältnisse, namentlich der 
vielgetheilten Gewerblichkeit, und selbst der Charaktere lmd 
Lebensansichten in scharfer Ausprägung verführte. 
Und an solchen X7ersammlungen buntgesclnnückter Men- 
schenmassen war kein Mangel; derselbe Trieb, welcher diese 
Gestaltungen der Tracht erzeugte, brachte auch eine Festlust 
hervor, wie sie kaum in anderer Zeit, Wenigstens nicht so auf- 
Ü Livre I, eh. 93. Certes cäitoit de grande beaute que de voir sur les 
champs bannieres et pennons ventiles     que rien n'y avait ä amender. 
VI. 6
        

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