Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962168
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Weltleben. 
Tracht älterer Frauen, theils als festlicher Schmuck, bei welchem 
der Stoff und die Art des Tragens Reichthum und Stand be- 
zeichnen konnten. Auch der Schnitt der Haare wechselte; bald 
trug man sie lang; wogegen die Kirche früher so sehr geeifert 
hatte, bald kurz geschnitten; die Frauen fassten die langen; wal- 
lenden Haare in Flechten zusammen, Welche heruuterhingeti oder 
um die Ohren gelegt wurden; die Männer erschienen mit 
"Krollen" ; dicken Locken; über den Ohren. Dagegen kam das 
Tragen des Bartes fast ganz ausser Gebrauch; Fürsten und 
Ritter wenigstens sind auf ihren Grabmälern durchweg rasirt. 
Die Fussbekleidung war zwar ein Mal vorübergehend stumpf, 
aber im Ganzen erhielt sie sich spitz und ging endlich in die be- 
rüchtigten Schnabelschuhe (poulaines) über; deren Spitzen sich 
zu so monströser Höhe erhoben; dass man sie zuletzt; um nicht 
am Gehen gehindert zu sein; mit silbernen Ketten am Beine be- 
festigte  Noch wunderlicher und renommistischer war dann 
die Sitte; sich mit Schellen und Glöckchen zu behängen; welche 
am Gürtel; dem ,;Dusing" ; oder an einem um die Schulter hän- 
genden Bande befestigt ; jede Bewegung verkündeten. Herren 
und Damen trugen sie; anfangs jedoch; wie es scheint; nur die 
der vornehmen Gesellschaft; bis sie am Anfange des fünfzehnten 
Jahrhunderts auch in den ehrbaren städtischen Kreisen Zugang 
fanden. Bezeichnend ist; dass schon während ihrer Blüthezeit 
(1381) ein Graf von Cleve eine Geckengesellschaft stiftete; bei 
deren Versammlungen jedes Mitglied möglichst mit Schellen 
ausgestattet und deren Ordenszeichen ein Narr mit Schellen war; 
so dass der Humor diese übermüthige 'l'racht gleich von ihrem 
Entstehen begleitete. 
Uebrigens Waren auch sonst alle Missbräuche der Eitelkeit 
im Gange; Schminke; die freilich fast keinem Zeitalter ganz un- 
bekannt war; wird häufig gerügt; junge Stutzer liessen sich 
Locken brennen; und neben den Schnabelschuhen der Männer 
1'] Ein englischer Chronist erzählt dies ausdrücklich; man 'nannte sie 
übrigens hier Cracowys oder Pykis und hielt sie für böhmischen Ursprunges. 
Pauli, Gesch. von England, IV, 651. Vgl. oben Bd. IV, Abth. Q, S. 32; es 
ist sonderbar genug, dass diese unnatürliche und unbequeme Tracht wieder- 
holt im Mittelalter in Gebrauch kam.
        

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