Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962141
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Weltlebeu. 
tiken Tracht Mantel und Tunica beide die Körperbildung unbe- 
stimmt andeuteten, hatte man jetzt theils ganz weite Kleider, 
welche sie gar xiicht erkennen liessen, theils ganz enge, welche 
sie möglichst deutlich zeigten. Neben dem Mantel wurde zwar 
auch eine Art Oberrock immer häufiger, der Tappert Cfabardus), 
der weit und faltig über den Hüften durch den Gürtel zusam- 
mengehalten War und von da ilach unten offen stand, um das 
kostbare Futter zu zeigen; aber auch dieser war so verhüllend, 
dass man, da er von beiden Geschlechtern getragen wurde, sich 
beklagte, sie nicht unterscheiden zu können. Um so mehr über- 
bot man sich, die Unterkleider immer enger zu machen. Die 
Männer, sagt der Chronist, "nesteltentt sich hinten und vorn hart 
zu und gingen „hart gespannt". Dabei wurden die Schösse 
immer mehr gekürzt; eine Neuerung, die ernsten und ehrbaren 
Leuten anstössig war  Diese enge und kurze Jacke hiess im 
Französischen bezeichnend: Cöte-hardie, im Deutschen: Schecke, 
Wams oder Lendner. Aeltere Männer behielten die lange Tu- 
nica bei, doch war auch sie zugeschnitten, in Falten genäht, 
deren Zahl die Mode bestimmte, eng über den Hüften, weit auf 
der Brust, bis auf den Gürtel aufgeschlitzt, und oben mit einer 
Art Krause oder zierlichem Rande versehen, „gemützert und 
geflitzert". Dazu kamen denn für festliche Gelegenheiten noch 
besondere Zierden. Herren, Ritter und Knechte trugen, wenn 
sie nhofiahrleten", lange, offene Oberärmel oder Lappen, welche 
bis auf die Erde herabfielen (Stauchen), und Gelegenheit gaben, 
mit dem Futter, das nach Maassgabe des Ranges aus mehr oder 
weniger kostbarem Pelzwerk oder anderen Stoffen bestand, zu 
prunken. Die [lnterärmel hatten dagegen manschettenartige 
V orstösse (Preisgen), welche über die Hände fielen. Endlich 
liebte man auch bunte, auffallende Farben und machte ilamentlich 
die Erfindung, die Kleider aus zwei verschiedenfarbigen Stoffen, 
mitten durchgetheilt (im Französischen: mi-partie) zusammen- 
zusetzen. Auch die Frauen trugen enge Mieder und faltige, 
weite Röcke, um die Feinheit der Taille herauszuheben, die auch 
1') Der zweite Fortsetzer des Wilhelm von Nangis: Vestes strictissimae, 
usque ad nates decortatae. Auch Chaucer spottet darüber so wie über die 
Buntschuckigkeit der Tracht.
        

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