Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962103
Weltleben. 
die Musik also, wie dies auch ihre weitere Geschichte völlig be- 
stätigt, keinesweges eine Parallele mit den anderen Künsten, 
hinter denen sie vielmehr bedeutend zurückbleibt. Allein dennoch 
kann man nicht zweifeln, dass das Gefühl, welches stark genug 
war, die Gesetze der musikalischen Harmonie aufzufinden und 
festzustellen, auch auf die bildende Kunst einen Einfluss geübt 
haben muss, und dass das Zusammentreffen dieser für die ganze 
weitere geistige Entwickelung des Abendlandes so wichtigen 
Entdeckung mit den gleichzeitigen Fortschritten der Malerei kei- 
nesweges ein zufälliges gewesen ist. Beide beweisen ein wach- 
sendes Verständniss der Natur und ihrer verborgenen Bezie- 
hungen.  
Auch die ersten selbstständigen Schritte der dramati- 
schen Kunst fallen in diese Epoche. Die rohen oder unbedeu- 
tenden Dialoge, welche herumziehende Gaukler und Histriouen 
oder auch Troubadours mit ihren Jongleurs vortrugen, hatten 
mit ihr nichts gemein , wohl aber hatte man in den Klöstern nie- 
mals aufgehört, Stücke nach dem Vorbilde der 'l'erenzischen, 
nur mit erbaulichen Gegenständen, von Schülern und jungen 
GeiSflißhcn aufführen zu lassen, auch die Vorlesung der Evan- 
gelien in den Kirchen dadurch zu beleben, dass man die darin 
eingelegten Reden von verschiedenen Personen, zuweilen im 
Costüm und mit Handlung, auch wohl in weiterer poetischer 
Ausführung sprechen oder singen liess. In manchen Gegenden, 
namentlich im südlichen Frankreich, hatte man sich bei solchen 
Zwischenreden schon frühe der Landessprache bedient, indessen 
blieb doch die kirchliche und lateinische Vorlesung die Haupt- 
sache, bis allmälig bei weiterer Ausbildung der Nationalsprachen 
diese Darstellungen belebter wurden. Man liess nun die unter- 
geordneten oder hassenswerthen Charaktere von Laien spielen, 
welche durch karikirten Ausdruck und barocke Verkleidung die 
Wirkung zu erhöhen suchten, und verlegte endlich im drei- 
zehnten Jahrhundert, da dies Anstoss erregte und kirchliche 
Verbote zur Folge hatte, diese nun schon volksbeliebten Auf- 
führungen ins Freie, wo sie dann an den Vorabendeil der hohen 
Feste oder bei anderen Gelegenheiten mit grosser Theilnahme 
und nun mit wachsender Licenz vor sich gingen. Neben den
        

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