Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962092
M llSlK. 
monie. Es mag dahin gestellt sein, 0b dieses unser Tonsystem 
das einzig natürliche, oder nur uns zur andern Natur geworden 
ist, aber jedenfalls ist es minder willkürlich und conventiouell 
wie jene antiken 'l'onarten, und verhält sich zu diesen wie die 
einfache und dennoch so reiche, dem Einen Gotte gegenüberste- 
hende Natur zu den vereinzelten N aturgöttern. Die Christen der 
ersten Jahrhunderte ahneten dies indessen nicht und übernahmen 
mit anderen 'l'raditionen der antiken Welt auch ihre 'l'onarten, um 
darin ihre feierlichen, zum Theil auf uns gekommenen Hymnen 
zu singen. Daneben fanden aber auch hebräische Psalmen Ein- 
gaug in die Kirche, und theils diese theils die Regungen des er- 
Wachenden specifisch christlichen Gefühls veranlassten schon 
Gregor den Grossen, die Zahl jener alten Tonarten, aber doch 
noch in einer den Bildungsgesetzen derselben entsprechenden 
Weise, zu vermehren. Auch die germanischen Völker brachten 
nun aber andere Tonweisen und Instrumente und überhaupt eine 
eigenthümliche musikalische Auflassung mit, von der wir freilich 
nur sehr unvollkommene Nachrichten haben, die aber ohne 
Zweifel mit den antiken Traditionen in Conflict kamen und in 
der allgemeinen Verwilderung dazu beitrugen, auch auf diesem 
Gebiete eine Gährung hervorzubringen, in der, aber nur sehr all- 
mälig, die Grundlagen unseres neuen Tonsystems sich bildeten. 
Schon in den kunstlosen Melodien der Troubadours werden sie 
zum Theil stillschweigend vorausgesetzt; der Gegensatz von 
Dur- und Moll-Tonleitern, unsere modernen Ausweichungen, 
lassen sich bei ihnen erkennen. Aber erst im vierzehnten Jahr- 
hundert wurden diese Neuerungen wissenschaftlich erörtert und 
die Regeln, wodurch nach unseren Begriffen reine Accorde und 
Harmonienfolgen gebildet werden, hauptsächlich durch die Au- 
torität zweier Schriftsteller, des Marchettus von Padua und des 
Johannes de Muris, der in Paris lebte, festgestellt, und sofort 
begann nun auch die Ausbildung des contrapunktischen Ge- 
sanges, der wahren Grundlage weiterer musikalischer Entwi- 
Ckeluag- Erst jetztalso, wo die bildende Kunst ihre zweite, der 
Antike am meisten abgewendete Epoche schon fast beendet hatte, 
sagte sich die Musik völlig von ihr los, um nun auf völlig 
christlicher Grundlage zu beginnen; in dieser Beziehung bildet
        

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