Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-962087
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Weltleben. 
das deutsche Lied will gesungen sein. Es hat etwas Geheim- 
nissvolles, einen Gefühlszusammenhang mit der Mystik, aber in 
anspruchslosester Heiterkeit. Wie wichtig das Volkslied selbst 
den Zeitgenossen erschien, sehen wir daran , dass Städtechro- 
niken, wie die von Limbmg, gern neben den ernsten Begeben- 
heiten des Jahres auch das Lied aufzeichnen, das damals beson- 
ders beliebt war. 
Die Melodien dieser Volkslieder sind uns nicht überliefert 
und überhaupt ist die Geschichte der Musik, Wenn es überhaupt 
dahin kommen soll, für jetzt noch nicht so weit gediehen, um die 
wichtigen, von ihr zu erwartenden Aufklärungen über ihre Be- 
ziehungen zu den Wandlungen der bildenden Künste und über- 
haupt zur Culturgeschichte zu gewähren. Indessen steht doch 
soviel fest, dass auch auf diesem Gebiete das vierzehnte Jahr- 
hundert von hervorragender Bedeutung ist und als der Abschluss 
einer ersten und der Beginn einer zweiten Epoche der christlichen 
Musik angesehen werden kann k). So flüchtig der Ton an sich 
und so sehr er der Ausdruck subjectiver Empfindung ist, so 
langsam und mit so objectiver Nothwendigkeit fortschreitend ist 
die Entwickelung der Tonkunst. Die Griechen besasseil be- 
kanntlich nur eine beschränkte Zahl von Tonarten oder Ton- 
folgen, welche verschiedenartig organisirt, jede schon einen be- 
stimmten ethischen Charakter hatten, der allen einzelnen in 
dieser 'l'onart geschaffenen Melodien blieb, und deren scharfe 
Begränzung und Ungleichartigkeit Uebergänge aus einer Tonart 
in die andere nicht wohl und Harmonien gleichzeitig erklin- 
gender Töne nur in geringem Umfange gestattete. Wir dagegen 
kennen nur ein gleichmässig durchbildetes, von den tiefsten bis 
zu den höchsten Tönen in gleicher Folge der Intervallen fortlau- 
fendes Tonsystem, mit nur zwei, in bestimmtem Verhältnisse 
stehenden Tonarten , Dur und Moll, welche sich auf allen Ton- 
stufen wiederholen. Wir haben dadurch die Möglichkeit unend- 
licher Uebergänge und der reichsten und complicirtesten Har- 
. "Ü Vergl. über alles Folgende die bekannten grössererl Werke von Kiese- 
Wetter und zum Theil von Winterfeld, und zur leichteren Uebersicht die Vor- 
lesungen über die Geschichte der Musik in Italien, Deutschland und Frank- 
reich von Franz Brendel, 2. AutL, 1859.
        

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