Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961984
58 
Religiöse 
Zustände. 
tive und Schicksale in der That durch die Vergleichung mit den 
mystisch-religiösen Regungen eine unerwartete Klarheit er- 
langen. Ich kann noch nicht auf das Einzelne eingehen , soweit 
dies überhaupt möglich sein wird, aber einige allgemeine Be- 
merkungen sind hier an ihrer Stelle. Die Kunst, welcher diese 
Aufschlüsse zu Gute kommen, ist allerdings nicht die Archi- 
tektur, für welche die Mystiker, wie wir durch die oben ange- 
führte Aeusserung des Nicolaus von Basel erfahren haben, 
keinen Sinn hatten und die ihnen nur als eitle Pracht erschien. 
Aber schon dass sie in dieser Epoche nur durch den Anstoss 
bewegt wird, den ihr die vorige gegeben hat, und nicht mehr 
aus eigener, frischer Kraft fortschreitet, ist eine Folge des ver- 
änderten religiösen Geistes, der, auf innere, individuelle Empfin- 
dungen gerichtet, an jener Gestaltung des allgemeinen kirch- 
liehen Lebens nur noch ein bedingtes Interesse hat. Dagegen 
werden die Künste des individuellen Gefühls, die Plastik und 
noch mehr die Malerei, augenscheinlich von der mystiscl1-reli- 
giösen Bewegung gefördert und getragen. Dies zeigt sich schon 
in ihren äusseren Schicksalen; dass diese Künste unter allen 
nordischen Ländern vorzugsweise in Deutschland einen bedeut- 
samen Aufschwung nahmen, dass sie hier im Rheinthale, in 
welchem die Gottesfreunde vom Ober- und Niederlande ver- 
kehrten, und namentlich in Köln, wo Meister Eckhardt gepre- 
digt, das Tauler besucht hatte, ihren Hauptsitz hatten, ist eben 
kein Zufall. Und wenn wir die Leistungen dieser Schule mit 
den Bildern vergleichen, die Suso sich verschafft und jedem 
Gottesfreunde wünscht, oder von denen Nicolaus träumt, und 
noch mehr mit den Bildern, die ihrer Phantasie vorschwebten, 
wenn sie von dem seligen Eiltwerden, von der Flucht aus den 
Sinnen und Kräften sprachen, kann uns die Verwandtschaft 
nicht entgehen, und lernen wir durch diese Beziehung die Ab- 
sichten der Künstler besser verstehen und würdigen. Freilich 
konnten sie den Gottesfreunden nicht bis in die höchste Ab- 
straction ihrer Gedanken und Verzückungen folgen, aber soweit 
als möglich gingen sie ihnen nach; ihre Gestalten sind Erzeug- 
nisse der kühnsten und idealsten Empfindung, mehr des Gefühls 
und der Phantasie, als der gemeinen Erfahrung, mit einem Aus-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.