Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961975
Mystik 
und 
Kunst. 
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der mystischen Schule in vielen Wendungen wiederholen. 
Aehnlich aber musste es sich, wenn auch in vermindertem 
Grade , in Frankreich verhalten; von dem Vordringen der mysti- 
sehen Lehre durch Flandern in die Nordprovinzen giebt uns 
Gerson unwillkürliches Zeugniss, und seine eigene, von Wahrer 
Frömmigkeit dturchwärnxte mystische Theologie, obgleich nur 
für Gelehrte bestimmt, musste durch seine zahlreichen Zuhörer 
in das Volk dringen und auch hier eine der Mystik verwandte 
Steigerunig andächtiger Gefühle erzeugen, Für England kann 
ich dies nicht im Einzelnen nachweisen; der Kriegsruhm und die 
praktischen Aufgaben -des Lebens mochten hier noch zer- 
Streußlldßr Wirken, aber WikleFs Auftreten und der National- 
charakter des Volkes bürgen dafür, dass die dem Jahrhundert 
entsprechende Form lebendigerer Frömmigkeit auch hier Jünger 
gefunden habe. 
Denn das War in der That die Mystik; nicht eine verein- 
zelte, zufällige, bloss deutsche, oder gar nur von einigen grü- 
belnden Köpfen ausgedachte Theorie, sondern eine und zwar die 
stärkste, allerdings mit subjectiver und leidenschaftlicher Energie 
hervorbrcchende Aeusserung der allgemeinen, über das ganze 
Abendland verbreiteten religiösen Stimmung. Dass sienur in 
Deutschland eine völlig ausgeprägte Gestalt erhielt, erklärt sich 
theils dadurch, dass die geistliche Noth hier ihren Gipfel er- 
reichte, theils durch die Anlage unseres Volkes, und dass sie 
auch hier nicht die ganze Nation ergriff, sondern nur bestimmte, 
von einzelnen Persönlichkeiten geleitete Kreise, liegt in der 
Natur der Sache. Aber eben dadurch gewinnen diese an sich 
und im Vergleich mit den Helden der grossen Weltbühne dun- 
kelen und unscheinbaren Gestalten für uns eine grosse Bedeu- 
tung; sie sind die Repräsentanten der geistigen Bewegung; das 
religiöse Geheimniss, welches , sonst von dem äusseren 'l'reiben 
der Welt überwuchert, sich uns nur durch seine Wirkungen im 
Grossen offenbart, ist. hier verkörpert zu Tage getreten, wir 
können den geheimsten Triebfedern bis in ihre innerste Werk- 
stätte nachspüren. 
Und dies gilt nicht blos für die Geschichte der Sitten im 
Allgemeinen, sondern ganz besonders für die Kunst, deren M0-
        

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