Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961911
Die 
niederdeutschen 
Mystiker. 
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anderen Münster sei kein Leid geschehen. Er ermahnt ihn 
daher, kein Gewölbe, sondern eine Bühne von blassen Dielen zu 
machen. Den Bildern dagegen scheint der strenge Gottesfremid 
Weniger abgeneigt, wenigstens deutet die oben erzählte Vision 
von den Altären der elftausend Jungfrauen und der Märtyrer 
ihrer ganzen Fassung nach auf einen bildlichen Schmuck hin. 
Suso spricht sich geradezu darüber aus; ein bewährter Gottes- 
freund solle allezeit etwas guter Bilder haben, davon sein Herz 
zu Gott entzündet werde. Eine Kapelle in seinem Kloster, zu 
der er besondere Andacht hatte, liess er ausmalen, wie es scheint 
in umfassender Weise, denn er spricht von Darstellungen der 
ewigen Weisheit, der Altväter (wohl Patriarchen und Pro- 
pheten), des köstlichen Rosenbaumes zeitlighgn Leidens, und 
endlich des nicht näher bezeichneten Baumes „des Unterschiedes 
zeitlicher und göttlicher Minne"  
Von dieser oberdeutschen Mystik unterscheidet sich die 
niederdeutsche Schule, welche uns in ihrem bedeutendsten 
Repräsentanten Thomas von Kernpen näher bekannt ist, durch 
eine schlichtere, verständigere Auffassung derselben Sätze. Als 
Stammvater derselben können Wir Johann Ruysbroek (1293 
 1381), Priester zu Brüssel und nachher in dem benachbarten 
Kloster Groenendal  betrachten. Er War mit Tauler persönlich 
bekannt, und vielleicht wie er ein Zuhörer Eckhardtis gewesen, 
an dessen Theorie er sich im VVesentlichen anschliesst. Seine 
zahlreichen Schriften haben fast dieselbe poetisch-allegorische 
Färbung und athmen dieselbe Liebesgluth, wie die von Suso; 
auch wirkte er, wie dieser, besonders unter dem weiblichen Ge- 
schlechte wid hatte zahlreiche geistliche Töchter. Verzückungen 
und Gesichte kommen auch bei ihm vor, obgleich seltener, und 
sein Leben ist stiller, klösterlicher, ohne Zusammenhang mit den 
grosscil Ereignissen der Zeit. Bei seinen Nachfolgern verlor 
sich der schwärmerische Anflug noch mehr. Gerhard Groot 
von Deventer (geb. 1340), der als Kanoniker in Aachen und 
Utrecht köstlich lebte und reich mit Pelzwerk und Silber ge- 
schmückt einherstolzirte, verzichtete plötzlich auf seine Prä- 
Böhringer a. 
327, 34a.
        

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