Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961902
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Religiöse 
Zustände. 
Träume sind freundlich und zart, einfach und licht. Sie bemühen 
sich wohl, den Glanz, die Süssigkeit, die Anmuth der Erschei- 
nung recht stark zu schildern, sie häufen die Beiwörter und 
können sich kaum genügen. Aber im Uebrigerl geben sie ein 
einfaches, von festen Umrissen begrenztes Bild, nichts Unge- 
heuerliches, nichts Van-schwimmendes, ihr Gefühl ist über- 
schwenglich, aber ihre Phantasie bewegt sich in geregelten, na- 
türlichen Formen. Sie nimmt augenscheinlich einen künstleri- 
schen Anlauf, und Wir werden bei näherer Betrachtung gleichzei- 
tiger Malereien unwillkürlich an ihre Verwandtschaft mit diesen 
Vorstellungen der Mystiker erinnert. 
Es versteht sich, dass sie selbst keine Ahnung von einem 
solchen Zusammenhangs: hatten und dass überhaupt von der 
Kunst als solcher bei ihnen nicht viel die Rede ist; indessen finden 
sich doch einige bemerkenswerthe Aeusserungen. Der Archi- 
tektur sind sie nicht sehr günstig. Die Kirche des von Merswin 
erkauften Klosters auf dem grünen Wörth bedurfte einmal 
(1377) der Vergrösserung und sollte einen neuen Chor erhalten, 
dessen Gestalt von Ruolman und dem Comthur des Hauses 
näher überlegt wurde. Wie an allen Angelegenheiten der 
Strasburger Brüder nimmt Nicolaus auch daran den lebhaftesten 
Antheil, er lässt sich von Ruolman selbst und von seinem nach 
Strasburg gesandten Boten darüber berichten und hat von 
beiden erfahren, dass der Comthur einen stattlichen und über- 
wölbten Chorbau beabsichtige. Darüber schreibt er diesem  
drückt seinen Zweifel aus, ob das Werk wohl mit dem Rathe 
des heiligen Geistes angefangen sei, und ob sich nicht bei dem 
Comthur etwas verborgener "Stolzheit" einmische. Gar häufig 
sehe man, dass jedes Kloster das andere im Bauen köstlicher 
Münster uud gar köstlicher Chöre übertreffen wolle; aber seit 
dreissig Jahren habe er in vielen Ländern und Städten wahrge- 
nommen, dass Gott dies gerochen habe. Er kenne zwei in einer 
Stadt nahe bei einander gelegene Münster, das eine mit einer 
Bühne von hölzernen Dielen, das andere mit starken köstlichen 
Gewölben; diese wären bei dem Erdbeben heruntergestürzt, dem 
Gottesfreunde , S. 
Schmidt , 
135.
        

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