Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967646
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Englische 
Kunst. 
Meissel und manchen Erzgiesser beschäftigten, die Bauten des 
Perpendicularstyles erhielten neben der verschwenderisch ge- 
häuften architektonischen Decoration auch wieder reichen Statuen- 
schmuck, der Luxus der Gräber stieg noch immer, und die zum 
Theil noch vorhandenen Contracte und Nachrichten nennen zahl- 
reiche Namen englischer Meister. Aber der Geist ist aus diesen 
Werken gewichen. Die Statuen an den Kirchen, selten heilige 
Gestalten, meistens Mitglieder des Königlichen Hauses oder 
grosser Familien, deren Beiträge die Geistlichkeit empfangen 
hatte oder wünschte, sind den Verhältnissen des Baustyls ent- 
sprechend von kleiner Dimension und dabei nüchtern, ausdrucks- 
los, die Grabgestalten werden durch die wachsende Pedanterie 
des Costüms und durch den gegen die Mitte des fünfzehnten 
Jahrhunderts hinzukommenden kleinlichen Realismus nur noch 
schwerfälliger und starrerißi). 
Der Verfall der Malerei, der in den Zeiten Heinrichs VII. 
so entschieden war, dass von nun an die englische Kunst- 
geschichte lange Zeit nur von der Thätigkeit fremder Künstler 
zu erzählen hat, ging ohne Zweifel dem der Plastik unmittelbar 
zur Seite. Auch der Gang der Architektur steht damit in enger 
Verbindung; das Wohlgefallen an den spröden, geradlinigen und 
abstracten Formen des Perpendicularstyles setzt ein Absterben 
 Den Beweis dafür giebt das Bildwerk der stolzesten Grabstätte dieser 
Zeit, der Beauchampkapelle in der Stiftskirche zu Warwick, welche die 
Gemahlin des ritterlichen Richard Beauc-hamp, Grafen von Warwiek  1435), 
zu seinem Andenken, jedoch erst 1442, gründete. Erst 1453 wurde der 
Contract über die Anfertigung des Grabes mit dem Marmorarbeiter John 
Essex, dem Giesser William Austen und dem Kupferschmidt Thomas Stevyns 
geschlossen, welche jedoch wieder nicht die Erfinder waren, sondern nach 
einem ihnen gelieferten Modell (according to patterns] arbeiteten. Knochen 
und Adern der Hände sind peinlich ausgeführt, das Gesicht ist sehr leblos, 
aber offenbar mit beabsichtigter Portraitähnlichkeit, der Kopf wie es jetzt 
Sitte wird, unbedeckt, aber mit sehr schematisch behandeltem Haare. Die 
trauernden Verwandten, schwerfallige Gestalten von kurzen Körperverhält- 
nissen, erinnern an dasxTrauergefolge der Herzoge von Burgund in Dijon 
und lassen einen niederländischen Einfluss vermuthen. Auch war ein nieder- 
ländischer Goldschmidt, Bartolomaeus Lambespring dabei beschäftigt, um 
Austen's Arbeit zu vollenden und gu poliren, so dass es nicht undenkbar 
ist, dass dieser der Erfinder war. Abbildungen bei Stothard pl. 121-126. 

        

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