Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967633
Kirchliche 
Sculptur. 
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schichte schon dieselbe poetische Richtung, welche in Shakes- 
peare's Geschichtsbildern ihre Höhe erreichte, und sie hat hier 
einen jedenfalls bedeutenden Meister begeistert und über die 
Schwächen seiner Zeit erhoben. Aber dennoch zeigen diese Ge- 
stalten nicht blos jene specifisch englische Körperbildung, son- 
dern auch sonst die Neigung zu schwerfälligen, monotonen For- 
men, Welche an anderen gleichzeitigen und selbst früheren Wer- 
ken noch viel entschiedener hervortreten. Schon die Reliefs an 
den Kapitälen im Octagon von Ely aus der Geschichte der h. 
Ethelreda, welche, da dieser Theil des Neubaues 1342 dem Chor- 
dienste übergeben wurde, um diese Zeit entstanden sein müssen, 
deuten in der steifen Haltung ihrer langgezogenen Gestalten auf 
den herannahenden Verfall und die Statuen der eilf norman- 
nischen Könige bis zu Eduard IlI., welche an der Fagzade der 
Kathedrale von Lincoln kurz vor oder bald nach dem Tode dieses 
Monarchen (1377), also etwa gleichzeitig mit den Sculpturen 
von Exeter gestiftet wurden, gehören ihm schon so sehr an, dass 
wie Cockerell sagt, man im Vergleich mit den Werken vom 
Ende des dreizehnten Jahrhunderts nicht begreift, wie dieselbe 
Nation in so kurzer Zeit Sinn und Geschmack für Schönheit so 
gänzlich verlieren konnte. Allerdings mochte die Wahl des Mei- 
sters eine unglückliche gewesen sein, und andere spätere Werke, 
z. B. die Königsstatuen am Lettner des Domes von Canterbury, 
sind Wieder lebensvoller und erfreulicher, aber im Ganzen war 
es für jetzt um die englische Sculptur gethan. Sie hob sich nicht 
wieder. Zwar fehlte es nicht an Aufgaben, welche manchen 
für Eduard III. und Richard II. erklärt, ist dies wirklich die ihm zukom- 
mende Stelle in der Königsreihe. Allein es ist undenkbar sowohl dass man 
Heinrich V. in einer zu seiner Zeit längst abgekommenen Rüstung darge- 
stellt, als dass man Eduard III. und Richard II. (unter denen wie gesagt 
jedenfalls der grösste Theil der Arbeit ausgeführt sein muss) in jene ungün- 
stigen Stellen über dem Portale verwiesen habe. Viel wahrscheinlicher 
waren diese Stellen auch hier (wie über dem anderen Seitenportale noch 
jetzt) ursprünglich gar nicht für Königsbilder benutzt, so dass die Reihe 
sie übersprang und nun jenseits dieser Lücke Eduard III. folgte, dem jener 
finstere Ritter zur Seite sitzt. Die Halbfigurßn Würden dann SPätQT einge- 
sghgbgn Sein, wie augh der Heinrich VL, WGICIIGI die Reihe IJCSOIIIIBSSÜ. 
 Carter a. a. O. pl. 4-6.
        

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