Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967569
616 
Englische 
Kunst. 
tung, reich aber ohne Ueberladung giebt sehr bestimmt den Ein- 
druck eines Feldherrn, dessen soldatischem Wesen man auch 
den steifen Parallelismus der Beine zu Gute hält, entspricht daher 
dem Sinne des Prinzen sehr Wohl, und interessirt um so mehr, 
wenn wir erfahren, dass es nach seiner testamentarischen Anord- 
nung ausgeführt ist. Selbst die ziemlich langen französischen 
Verse, in Welchen der Gegensatz seines irdischen Reichthums 
und der kleinen Zelle des Grabes ausgemalt ist, sind von ihm 
vorgeschriebenit). Es war ihm nicht beschieden gewesen, den 
raschen Tod des Kriegers zu sterben; mitten in seiner Sieges- 
laufbahn im kräftigsten Lebensalter auf dem Feldzuge in Spa- 
nien 1367 erkrankt, musste er schon 1371 sich nach England 
zurückziehen, wo er erst 1376 nach langem Siechthum starb. 
Er hatte also mehr als Andere Zeit gehabt, 'l'odesgedanken zu 
hegen und sich jenen Gegensatz in seiner ganzen Herbigkeit vor- 
zustellen, und sein Bild mit dem Goldglanze und der zugleich 
kriegerischen und leichenhaften Haltung scheint ganz darauf ein- 
gerichtet, ihn zu versinnlichen. Allein dennoch glaube ich nicht, 
dass der Bildner von den Versen oder von dem Schicksale des 
Prinzen besonders angeregt war, noch dass der Prinz seinen 
Landsleuten etwas Anderes sagen wollte, als was in der ge- 
wöhnlichen Vorstellung lag. Die Verbindung irdischen Glanzes 
mit einer leichenhaften Erstarrung war gerade das, was das eng- 
lische Gefühl von einem Grabmonumente forderte, der Contrast 
menschlicher Hinfälligkeit und menschlicher Grösse war der aus- 
schliessliche Inhalt ihrer Grabpoesie. Betrachtungen dieses Ge- 
gensatzes entstehen allerdings ganz von selbst an den Gräbern 
der Grossen und Reichen zu allen Zeiten und in allen Ländern, 
3') Bei Stothard zu Taf. 85 abgedruckt. Es heisst darin u. a.: 
Tiel come tu es je autiel fu: tu seras tiel come je su: 
De la mort pensai je mye: tant come javoi la via: 
En terre avoi gmnd richesse: dont je y üs grand noblesse: 
Terre mesons et grand träsor: draps chevaux argent et or: 
Mes ore su jeo povres et chätifs: per fond en 1a. terre gis: 
Ma grand beautä est tout alee: ma char est tout gastee: 
Moult est etroit ma meson etc. 
Es ist bemerkenswerth, dass er nicht von seinem Ruhme, sondern nur von 
seinem Reichthume spricht.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.