Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967547
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Englische 
Kunst. 
Darstellung auf dem Grabe des Bischofs YVivil ("f 1375) in der 
Kathedrale von Salisburyät). Die [Ylauptthat dieses Kirchenfür- 
sten War die NViedei-erwerbung eines Schlosses Sherbonne, wel- 
chesder Lord Montacute inne hatte. Im Proccsse war auf Zwei- 
kampf erkannt, Welchen der Bischof, natürlich durch einen Stell- 
vertreter, bestehen wollte, der König aber, als die Kämpfer schon 
angetreten Waren, verschob und die Sache durch Vergleich bei- 
legte. Um diesen Hergang zu verewigen, bildet. das Schloss in 
mehreren Stockwerken aufsteigend den Hauptgegenstand der 
Darstellung; den Bischof sieht man im Inneren mit betenden 
Händen, im 'l'horc aber einen geriisteten Ritter, wahrscheinlich 
den treuen Vasallen, Welcher den Kampf bestehen wollte. YVenh 
hier selbst bei einem Bischof Weltliche Ereignisse so sehr in den 
Vordergrund treten, kann es nicht befremden, dass das kirchliche 
Element auf den Gräbern der Ritter so wenig betont oder doch 
sehr ncavalierement" behandelt ist. Ich habe schon früher der 
Messingplatte des Sir John I'lasting's  1347) in der Kirche zu 
Elsyngf-ttk) gedacht; sie ist schon in der kecken Eleganz, mit 
Welcher der Ritter auf seinem Löwen steht, charakteristisch eng- 
lisch, aber von vorzüglicher Arbeit und augenscheinlich mit 
einem Hinblick auf die grossen continentalen Vorbilder dieses 
Kunstzweiges ausgeführt. Daher umgiebt denn auch den Ritter 
eine mehr als auf anderen englischen Platten vollständige und mit 
Statuennischen versehene Architektur. Aber statt der Apostel 
und Propheten der deutschen Platten stehen in diesen Nischen 
nicht etwa andere Heilige, sondern lauter ritterliche Gestalten und 
zwar, Wie die Wappen und die sehr individuellen Züge ergeben, 
vornehme Verwandte des Bestatteten. Das Kissen unter dem 
Haupte des Ritters Wird von zwei Engeln gehalten und darüber 
tragen, wieder nach dem Vorbilde der deutschen Platten, zwei 
andere Engel in einem Tuche die betende Seele gen Himmel. 
Aber unmittelbar darauf erscheint im Spitzgiebel des Bogens 
wieder der Ritter, auf seinem 'l'urnierross sprengend, und endlich 
ganz zu oberst ist zwischen den Gestalten Christi mid der Jung- 
a) Carter a. a. O. Taf. 97. 
M") Ootman Monumental brasses of Norfolk Tab. 1; Oarter a. 
70, 71. Auch bei Boutell sind Proben daraus gegeben. 
Taf.
        

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