Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967531
Grabmonumente. 
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Rücken, Schwert und Dolch an der Seite, oft sogar den Schild 
am Arme, stets die Eisenhaube auf dem Kopfe, unter demselben 
gewöhnlich den grossen Helm, die Hände zum Gebete auf der 
Brust aneinander gefügt, die Beine ganz parallel, die ebenfalls 
eisenbekleitleteil Füsse mit starker Biegung der Spitze, etwa wie 
im Steigbügel, auf dem Löwen ruhend. Die Gesichtszüge lassen 
zwar Versuche der Portraitähnlichkeit erkennen, sind aber sehr 
starr. und die Gestalten unterscheiden sich hauptsächlich nur 
durch die Details der Rüstung, die wirklich von grössester Man- 
nigfaltigkeit und anscheinend gewissenhaft nach dem Leben co- 
pirt sind. 
Einige vereinzelte Fälle zeigen noch deutlicher eine von un- 
serer continentalen ganz abweichende Auflassung. S0 haben die 
Gräber zweier Ritter, des Sir Roger de Kerdeston  1337) und 
des Sir Oliver lngham (Fl- 1344), beide in der Grafschaft Nor- 
folk, jener zu Reepham, dieser zu Iugham, die seltsame Einrich- 
tung, dass die Platte, auf der der Körper ruht, nicht wie sonst 
glatt, sondern wie aus rohen Feldsteinen bestehend gebildet ist, 
worauf sie dann beide noch nach alter Weise in heftiger Bewe- 
gung, die linke Hand auf der rechten Schulter, die rechte am 
Schwertgrili", daliegen, als wollten sie um sich schlagen oder 
wälzten sich in unruhigen lü-äumentk). Dass dies, wie der eng- 
lische Berichterstatter glaubt, eine Anspielung auf einen Schiff- 
bruch sei, den beide Ritter erlitten und bei dem sie von den Wel- 
len auf den harten Boden der Küste geschleudert worden, ist 
unwahrscheinlich, und noch weniger darf man an etwas Reli- 
giöses, etwa an ein Bussgelübde des Rubens auf so hartem La- 
ger, denken. Dem widerspricht nicht nur die so wenig bussfer- 
tige Haltung beider Ritter, sondern besonders auch das über dem 
Grabe des Ingham angebrachte Gemälde einer Jagd, also einer 
Scene ritterlicher Lust. Wahrscheinlich ist es daher, dass auch 
dieses Steinbette, wie die bewegte Lage im Allgemeinen, nur die 
Absicht hatte, die Ritterlichkeit, und zwar hier als Abhärtung 
und kriegerische Gewohnheit, auszudrücken. Dass man indessen 
Anspielungen auf einzelne Begebenheiten nicht verschmähete, 
beweist eine andere, nach unseren Begriffen ziemlich unpassende 
 Stothard a. a. O. Taf. 63-67.
        

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