Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967500
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Englische 
Kunst. 
geschlossen, Welche die darauf ruhenden Gestalten von vergo]- 
detem Kupfer und Messing. und zwar nach einer schon vorhau- 
denen, also entweder von ihnen oder von anderen Künstlern ge_ 
fertigten Skizze ausführen sollten xi). Allein ungeachtet aller dieser 
Vorsorge sind die Gestalten starr und geistlos und geben den 
entsehiedeilen Beweis norh tieferen Verfalls der Kunst. 
Fast scheint es, dass der englische Geschmack die Steifheit 
der Grabgestalten, etwa vermöge einer Ideenverbindung mit der 
Grabesruhe, verlangte; wenigstens wendete man sich auch da 
steiferen Formen zu, wo es ilieht ohne Bewusstsein: geschehen 
konnte. So werden die Geistlichen Anfangs in der Casula, dem 
Weiten, über den Kopf gezogenen und auf den Armen ruhenden 
Messgewailtle abgebildet, welches nothwvndig breite, in der Mitte 
sich senkende Querfalten und dadurch ltlannigfaltigkeit und be- 
Weg1ere Formen gab. Später, etwa seit dem Jahre 1360, kommt 
dieser Gebrauch ab und die Priester werden nun meistens in der 
Cappa (Pluviale), einem ebenfalls weiten, aber vorn geöffneten, 
über der Brust von einer Agraffe zusammengehaltenexi Mantel 
dargestellt. Auch auf dem Fcstlande entstand dieser Gebrauch, 
wurde aber keineswcges zur ausschliesslicheil Regel und jeden- 
falls suchten die Bildner auch diesem Kleide eine freiere Bewe- 
gung zu geben, was sehr leicht geschehen ltonnte. Die englische 
Grabsculptur aber sah darin eine Gelegenheit zur grösseren 
Geradlinigkeit; sie dachte sich den Mantel von sehr steifem 
Stoffe, liess ihn mit ängstlicher Regelmässigkeit in gleicher Breite 
faltenlos auf beiden Seiten herabfallen und kam so zu einem fast 
kegelförmigen Umrisse der Figur, den sie mit unermüdlicher Ge- 
duld wiederholte.  
Aehlliißil verhielt es sich mit den ritterlichen Gestalten. In 
der vorigen Epoche hatte man sie, wie wir gesehen haben, gern 
in lebendiger, fast gewaltsamer Bewegung dargestellt, die Hand 
am Schwertgriß, den Oberkörper halb gewendet, die Beine ge- 
m] Rymer Foedera IV. 2., S. 105 und 106. „Henri Yevele et Stephan 
Lote, citeins masons de Londre, und Nicholas Broker et Godfrey Press, 
citeins et copersmythes de Londre" hiessen die Contrahenten, und es ist 
bemerkenswerth, dass im französischen Texte das englische Wort des Ge- 
werbes gebraucht ist. Welcher Art der "Patron esteant en 1a garde du trösor" 
gewesen, nach dem sie sich richten sollten, ist nicht ersichtlich.
        

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