Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967484
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Englische 
Kunst. 
den Geschlechtern noch zu; die Hauben laden neben der Stirn 
weit aus wie breite Flügel oder steigen wie Hörner über den 
Diadem auf, und bei den Rittern ruht das Haupt nicht mehr wie 
sonst auf einem etwa von Engeln gehaltenen Kissen, sondern auf 
dem Turnierhelm, dessen Zeichen, ein leiehenhafler Menschen- 
kopf,_der lange Hals eines Schwanen oder Geiers, ein Löwen- 
rachen oder andere bizarre Formen, darunter hervorsehen. Auch 
auf den Gräbern des Continents bemerken wir den llilCllilieiligen 
Einfluss des Costüms, aber bei Weitem nicht in dem Grade wie 
hier; die Rüstungen bleiben noch viel länger einfach und die 
Frauen sind meistens schlichter, nonnenhaft oder häuslich ge- 
kleidet de). Es scheint daher, dass die brittische Sitte strenger 
darauf hielt, dass auch auf dem Grabe jeder mit allen Ehren und 
VVürden, der.Vornehme also auch wie bei Hoffesten und Tur- 
nieren erscheine. Die künstlerische Freiheit war durch den ari- 
stokratischen Sinn und durch eine pedantisehe Rücksicht auf die 
weltlichen Standesverhältnisse beschränkt. 
Allein dies war es doch nicht allein; denn auch da Wo jener 
Zwang aufhörte, machen die Künstler von ihrer Freiheit keinen 
Gebrauch. Bei den Damen ist der meistens unbedeckte Hals ohne 
feinere Durchbildung, der Rock ohne Andeutung der Körperfor- 
men, der Mantel auf beiden Seiten symmetrisch steif herabfallend, 
und auch da wo die Standestracht günstiger war, bei den Bürger- 
frauen in ihrem bequemen weiten Anzuge, bei den Rechtsgelehr- 
ten mit dem faltenreichen, umgürteten 'l'alar, bei den Geistlichen 
und endlich bei den stets im Krönungsorilate dargestellten Köni- 
gen fallen die Gewänder entweder in dichten und gleichförmigen, 
senkrechten Parallelen oder in anderen, aber styllosen Falten. Auch 
die Gesichter werden mit wenigen Ausnahmen immer breiter, star- 
rer, geistloser. An den Königsgräbern dieser Epoche können wir 
diesen fortschreitenden Verfall beobachten. Wenn der unglückli- 
4") Das einzige mir bekannte Beispiel einer solchen häuslichen Tracht in 
England giebt eine Messingplatte v. J. 1397 in Brandsburton in Yorkshire 
(bei Boutell, monumental brassesb), wo die neben ihrem Gemahl, dem Ritter 
von St. Quentin, ruhende Dame zwar die steife Haube aber ein weites gürtel- 
loses Kleid trägt. Es ist eine der anmuthigsten Frauengestalten auf eng- 
lischen Gräbern.
        

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