Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967447
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Englische 
Kunst. 
Heiligen an den oben erwähnten Kopf des Elihn in dem Wand_ 
gemälde der Stephanskapelle erinnert. Auch darin unterscheiden 
sie sich von den übrigen Figuren, dass während an diesen, selbst 
an der grossen Gestalt des Bestatteten, die Zeichnung so einge- 
richtet ist, dass sie die Flächen deckt und bricht und einen pla- 
stischen Eindruck macht, sie sich hier auf Umrisse beschränkt, 
welche den Körper flach lassen. Es ist nicht zn bezweifeln, dass 
diese Figuren, wahrscheinlich weil der festläntlische Arbeiter die 
englischen Localheiligen nicht kannte, entweder nach englischen 
Zeichnungen genau copirt oder gar in England in die dazu offen 
gelassenen Plätze hineingravirt sind. Jedenfalls verrathen sie 
den Einfluss der Malerschule, die wir in der Stephanskapelle von 
Westminster thätig fanden. An den Grabplatten von englischer 
Arbeit, welche, wie schon oben erwähnt, immer nur einzelne, in 
den Stein eingelegte Stücke des Monumentes bilden, bemerken 
wir sehr bald eine gewaltige Abnahme ihres künstlerischen Wer- 
thes. Sie sind sämmtlich, wie schon jene beiden Figuren auf der 
Platte von St. Atbans, mit sparsameren Umrisslinien und grösse- 
ren Flächen, gezeichnet und weit entfernt von der grossen Har__ 
monie und Schönheit der festländischen Platten; aber die frühe- 
ren, etwa bis zur Mitte des vierzehnten Jahrhunderts, haben doch 
noch eine energische, elastische Linienführung. Einige, wie z. B_ 
das Brustbild des Priesters Thomas de Hope zu Kemsing in der 
Grafschaft Kent vom Jahre 1320 und die Gestalt eines Geist- 
lichen in Oultok, Grafschaft Suffolk, geben in dieser Weise noch 
höchst lebendige Portraits , andere, etwas mehr ausgeführte, 
hauptsächlich die Grabplatte des Sir Hugh Hastings  1347) in 
der Kirche zu Elsyng in Norfolköt), auf die ich in anderer Be- 
ziehung noch einmal zurückkommen werde, zeigen die glückliche 
Nachahmung jener continentalen Werke durch englische Künstler, 
Aber hald nachher ging die ganze Technik augenscheinlich in 
handwerksmässige Hände über und verfiel immer mehr. Einige 
zeichnen sich wohl noch durch sorgfältige Ausarbeitung des Co- 
V) Thomas de Hope bei Boutell, Monumental brasses pag. 21. Der andre 
Geistliche bei Gotman mon. "brasses in Norfolk and Suffolk, Vol. II, pl. 3, 
der Ritter daselbst V01. I, pl. 1, auch bei Carter a. a. O. pl. 70, 71 und 
endlich bei Boutell.
        

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