Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961849
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Die 
deutschen 
Mystiker. 
von Anderen zu erwarten; denn in der That macht er den aller- 
ausgetlehnlesterl Gebrauch von Visionen und 'l'räumen, beson- 
ders von solchen, die sich auf die öffentlichen Angelegenheiten 
oder auf andere Personen beziehen, und die er ihnen mittheilt, 
um sie bei ihren Ilandlungen zu leiten. Zum Theil geben diese 
'l'räume die Sache selbst; während des Baues einer Kapelle an 
der Kirche zum grünen WVÖrth sieht er im 'l'raume darin zwei 
Altäre mit einer Menge von Gestalten, auf dem einen Frauen- 
bilder in schönen, weissexi, aber mit Blutstropferl besprengten 
Kleidern und mit Rosenkränzen, bei denen er sogleich an die 
eilftauscntl Jungfrauen denkt, auf dem andern Männer mit feuer- 
rothen Gewändern und glänzendem Antlitz, bei denen er zwei- 
felt, welche ltlärtyrer damit gemeint seien. Er beschreibt also 
Bilder, die er gemalt haben Will. Zum Theil sind diese Träume 
aber symbolischer Art; Ereignisse des Johanniterhauses werden 
ihm unter dem Bilde eines Nestes mit jungen "Vögeln, das von 
einem Adler beschützt wird, gezeigt 11]. In solchen Fällen kann 
man wohl glauben, dass seine mit den Angelegenheiten des be- 
freundeten I-Iauses beschäftigte Seele diese Traumbilder erzeugt 
habe, in anderen aber kann man sich des Verdachts einer Art 
frommen Betruges, einer allegorischen Idinkleitltmg seiner wohl- 
gemeintcn ltathscltläge, kaum erwehren. WVenn man eimnal auf 
Träume und Gesichte etwas gab und Oliienbarungen in ihnen er- 
wartete, konnte es kaum fehlen, dass die Phantasie sich hinein- 
mischte, und dem unbestimmten Bilde unvermerkt ein bestimmtes 
unterlegte, welches den Absichten des 'l'räumenden entsprach. 
Dies um so mehr, weil auch diese frommen Männer, wie das 
ganze Zeitalter, gewöhnt waren, es mit dem 'l'hatsächlichen 
nicht sehr genau zu nehmen, sondern es nur als einen Gegen- 
stand allegorischer Deutung zu behandeln. Selbst mit der hei- 
ligen Schrift verfuhren sie nicht anders. Eckhardt und Tauler 
predigen stets über den für diesen 'l'ag vorgeschriebenen 'l'ext, 
aber es fällt ihnen nicht ein, den Sinn desselben in historischer 
Verbindung mit der ganzen Heilsordnung näher zu betrachten. 
Sie geben vielmehr den bVorten der Schrift und zwar der ein- 
zelnen herausgerissenen Stelle eine allegorische Beziehung, an 
"Ü Schmidt, Gottesfreunde, S. 135 und 147.
        

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