Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967410
Miniaturen. 
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wohl als Andeutung der Strafgerichte Gottes ein Bündel Pfeile, 
bei der Besteigung der Arche mit Hülfe einer Leiter trägt Noah 
ein Kind auf der Schulter; bei der Sündfluth selbst sehen wir 
einen Raubvogel auf der Leiche eines Pferdes. Häufig zeigt sich 
das Bestreben, die heiligen Geschichten der damaligen Zeit näher 
zu bringen; so wenn Abraham sich mit der Sarah durch einen Ring 
verlobt, den er ihr an den Finger steckt, oder wenn, was freilich 
in den englischen Miniaturen gewöhnlich, Maria als Wöchnerin 
in wohleingerichtetem Bette liegt. Die Auffassung ist also eine 
realistische, aber in einem ganz anderen Sinne wie bei den Nie- 
derländern, sie geht mehr auf innere, als auf äussere Wahrheit, 
und behält die Federzeichnung und die leichte harmonische Fär- 
bung der bisherigen Schule bei, welche beide hier nur mit so 
feinem Schönheitsgefühle behandelt sind, dass man den Codex 
als eines der ausgezeichnetesten Werke der Miniaturmalerei be- 
trachten darf. Interessant sind dann auch die kleinen Miniaturen 
auf dem unteren Rande des Psalters, die eine Fülle von heiligen 
Geschichten, Legenden, Mährchen, humoristischen Scenen, be- 
sonders aber auch eine reiche Sammlung von wirklichen und 
fabelhaften Thieren in den verschiedensten Situationen enthalten, 
so dass es zuletzt auf eine Art Bestiarium abgesehen scheint. 
Auch die Lebendigkeit und der Humor dieser Thierwelt hat ein 
nationales Element und wird in anderen englischen Miniaturen 
wiedergefunden. 
Dramatische Lebendigkeit und freie Erfindung, harmonische 
Färbung und Schönheitsgefühl der Zeichnung sind die bleiben- 
den Vorzüge dieser Schule in fast allen ihren Werken ab). Spä- 
ter, sehon in einer biblischen Geschichte des brittischen Museums 
(Regia I7, E. VII), Welche die Jahreszahl 1356 enthält, wird 
auch die Zeichnung der Köpfe individueller, und in einem anderen 
Codex derselben Sammlung (Harleian Nro. 7026), welcher für 
einen Lord Lovell ungefähr um das Jahr 1400 ausgeführt wurde, 
sind die Portraits, das zwei Mal wiederholte des Lords und das 
eines Mönchs, Frater Johannes Siverwas, welcher, anscheinend 
der Maler, das Buch demselben überreicht, schon sehr lebendig 
4'] Vergl. 
richte über 1 
dem Be- 
die Aufzählung Waagenk a. a. O. 1., S. 175 und bei 
lie Bodleyanische Bibliothek in Oxford III, S. 92.
        

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