Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967389
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Englische 
Malerei. 
wickelung der brittischen Kunst bis um etwa 1360 und gewisse 
Eigenthiimlichkeiten derselben, nicht aber ihre ferneren Schicksale 
erkennen.  Etwas weiter führen uns die Miniaturen, welche, 
wenn auch nur in mässiger Anzahl vorhanden, sich doch über 
einen weiteren Zeitraum und bis in die folgende Epoche hinein 
verbreiten, und uns im Ganzen die brittische Kunst in sehr gün- 
stigem Lichte zeigen. Im Ganzen ist der Entwickelungsgang 
derselbe wie jenseits des Kanals, nur dass die englische Schule 
 sich langsamer von dem idealen Style lossagt wie die französisch- 
niederländische. Noch lange und bis gegen 1400 bestehen auch 
hier die Miniaturen in leicht und sanft colorirten Federzeichnun- 
gen auf Gold- oder 'l'apetengrund, und anfangs gleichen sie den 
französischen so sehr, dass, wo nicht äussere Beweise entschei- 
den (Inschriften, einzelne eingestreute englische VVorte oder das 
Vorkommen englischer Lokalheiligen im Kalender), der [lrsprung 
oft zweifelhaft sein kann. Indessen zeigen sich gleich anfangs 
gewisse Verschiedenheiten, sowohl der Auffassung wie der 
'l'echnik. Die Ausführung hat nicht die Sicherheit und den festen 
Schulcharakter, aber auch nicht die gleichförmige, nüchterne 
Glätte wie bei den Pariser Miniaturen, sie ist in jeder Beziehung- 
individtieller. Die Zeichnung ist bald steifer, bald aber auch von 
feinerem Schönheitsgefühl und mehr empfunden, die Farbe har- 
monischer und zum Theil kräftiger. Gewisse wirksame FarbenQ 
Verbindungen, besonders in den Randverziernngexi, sind für die 
englische Schule charakteristisch. Noch grösser ist die Ver- 
schiedenheit der geistigen Auffassung; während die französischen 
Miniatoren gleichsam im Conversationston vortragen, in herge- 
brachter, schon bekannter Weise, mit unterhaltender Heiterkeit, 
aber mit sorgfältiger Vermeidung des Anstosses, ist das Bestre- 
ben der englischen Maler auf höhere poetische Belebung der 
Gegenstände oder auf Tiefe des Gedankens gerichtet. Allegori- 
sche Darstellungen, zum Theil ungewöhnliche, sind sehr beliebt 
und die bekannten heiligen Geschichten werden entweder durch 
Hinzudichtung neuer Momente oder durch stärkere Betonung 
der dem englischen Herzen zusagenden gemiithlieheil und häus- 
lichen Motive, oder endlich (lurch eine dramatische Lebendigkeit 
anziehend gemacht, welche freilich zuweilen noch etwas gewalt-
        

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