Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967365
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Englische 
Malerei. 
tremen ergeht; die Gesichtszüge sind entweder breit, hart, gräm- 
lieh, verzerrt, oder von jener fast weichlichen Anmuth, die Ilal- 
tung der Figuren ist entweder geradlinig und steif, oder bald 
gewaltsam bewegt, bald von süsslicher Zierlichkeit. Von jener 
stets gleichbleibenden aber nüchternen Eleganz der französischen 
Miniaturen, Welche den Gegensatz des 'l'ragischen und Heiteren 
abstumpft, sind diese Künstler eben soweit entfernt wie von der 
kirchlichen Feierlichkeit der deutschen Schule, von der sie sich 
auch durch gewisse Eigenthümlichkeiten der Formbildung unter- 
scheiden, durch idie schwereren Köpfe und breiteren Schultern, 
und besonders durch die Gewandbehandlung, welche hier ent- 
weder steif und monoton oder unruhig ist und die Schönheit der 
langen, sich ruhig lösenden Gewandfalten der Kölnisehen Gg- 
stalten schmerzlich vermissen lässt. Den modernen Beschauer 
werden die grösseren Engel mit dem schönen Oval der jugend- 
lichen Gesichter und dem lieblichen Ausdrucke am Meisten an- 
ziehen, aber sie verdanken diese Gunst doch grossentheils dem 
Umstande, dass die in der That sehr geschickte Anordnung die 
Mängel, welche bei den anderen Gestalten verletzen, bedeckt 
oder gar nicht zur Sprache kommen lässt. Die architektonische 
Bedeutung, welche sie vermöge ihrer Stellung zwischen den Arca- 
den haben, rechtfertigt die an sich steife Haltung, der vorgehal- 
tene Teppich verhüllt einen Theil des Körpers und die Pracht 
des schweren Stoffes ihrer Kleidung lässt die faltenlose Einfor- 
migkeit derselben übersehen. Uebrigens sind sie weniger steif 
als die knienden Gestalten der königlichen Familie, bei denen 
uns vermögc ihrer portraitmässigen Bedeutung und ihrer schwie- 
rigeren Stellung die ungelenke Zeichnung und der Mangel an 
charakteristischer Verschiedenheit mehr autfallen. 
Die Religionskriegc und die puritanische Richtung der eng- 
lischen Kirche haben die Werke mittelalterlicher Malerei auch in 
England so gründlich zerstört, dass diese Zeichnungen fast der 
einzige erhebliche Ueberrest derselben aus dieser Epoche sind 
Nur im Kapitelhause von Westminster und zwar in fünf östlichen 
Nischen findet sich eine Reihe grösserer Gestaltern, Christus um- 
geben vcn den Engelchören, welche derselben Schule anzuge- 
hören und von grosser Schönheit zu sein scheinen, aber leider
        

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