Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967354
St. Stephan 
Zll 
Westminster. 
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der anderen die des Tobias darstellten. Die Auffassung in diesen 
historischen Bildern ist eine sehr lebendige; bei der Seene, wo 
Satanas durch das einstiirzende Dach die Söhne und Töchter 
Hiolfs beim festlichen Mahle tödtet, sieht man sie mit dem hef- 
tigsten Ausdrueke des Schreckens oder Schmerzes in den man- 
nigfaltigsteli Bewegungen den herabfallenden Balken ausweichen 
oder sie abwehren; bei den Gesprächen geben Mienen und Be- 
Wegungeirimmei" eine Erklärung der Situation und des ver- 
schiedenen Verhaltens der einzelnen Theilnehmer. Auch fehlt es 
 dem Künstler nicht an Schönheitssinn, 
 der indessen leicht ins VVeiehliche aus- 
 M! artet, wie der hier beigedruekte Kopf 
 des Elihu beweist, den man, 'n"enn' er 
  nicht die Beisehrift hätte, eher fur weib- 
d? f" lieh halten würde. Die Körperkeilntniss 
Xßx j ist durchweg noch sehr gering, die 
QX Jg? Köpfe sind oft zu breit, die Gestalten 
X"? im Ganzen eher üben-schlank, die Hände 
X t  übermässig lang und dünn, die Bewe- 
XXFQ, gungen gewaltsam und eckig oder in 
  weichen dem Knoehenbau wenig ent- 
sprechenden Linien gezeichnet, der 
Gang der sehreitenden Figuren endlich hat stets etwas Tänzeln- 
des oder Unsicheres, was freilich mit der weichen und vorn mit 
langer Spitze auslaufenden Fussbekleidung zusammenhängt. In 
allen Beziehungen steht diese Kunst den Miniaturen der vorigen 
Epoche noch sehr nahe de) und unterscheidet sich von ihnen nur 
durch eine grössere Festigkeit der Linie und durch gewisse 
Züge, die mit der veränderten Denkungsweise zusammenhängen. 
Charakteristisch für diese Schule ist, dass sie sich gern in Ex- 
4') Der Verfasser des Berichts in dem angeführten Werke der antiqua- 
rischen Gesellschaft schliesst aus der Architektur in den Gemälden, deren 
dünne Bündelsäulchen mit würfelartigen Kapitälen und hochgestelzten Bögen 
er in England nicht kennt, dass der Maler (Hugo von St. Albans wie er 
annimmt) im Auslande studirt haben müsse. Allein es ist nur die phanta- 
stische, keinem Lande angehörige Architektur, welche aus missverstandenen 
antiken oder byzantinischen Vorbildern in der; Miniaturen herkömmlich 
geworden war. 
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