Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967337
Stephan 
Zll 
Westminster. 
593 
genf-t), welche zum Glücke ziemlich treu zu sein scheinen, uns 
statt der Originale dienen müssen. In der 'l'hat geben sie uns 
wenigstens von der Zeichnung dieser Künstlerschule ziemlich 
befriedigende Anschauungen. Die Gemälde befanden sich in der 
oberen Kapelle, also in einem rechtwinkeligen Raume von 86 
Fuss Länge, 38 Fuss Weite und 44 Fuss Höhe, welcher auf 
jeder Seite durch fünf hohe, im Spitzbogen geschlossene Fenster 
beleuchtet und dazwischen von reichem, farbigem Stabwerk be- 
deckt war, so dass nur die untere Wand bis zum Anfange der 
Fenster für Malereien geeignete und dazu benutzte Flächen dar- 
bot. Am östlichen Ende in der Nähe des Altares sah man hier 
die Mitglieder der Königlichen Familie, auf der einen Seite den 
König eingeführt durch St. Georg und gefolgt von seinen fiinf 
Söhnen, auf der anderen die Königin mit drei Töchtern, sämmt- 
lieh in gemalter Architektur, und zwar bei den Prinzen so, dass 
immer zwei nur durch eine schlanke Säule getrennt in einer be- 
sonderen Loge oder Kapelle knieten, deren Hintergrund ein rei- 
ches Fenster zeigte, bei den Damen wegen ihrer geringeren Zahl 
in etwas anderer Anordnung. Die Prinzen waren sämmtlieh in 
voller und gleicher goldener Rüstung, den geschmückten Helm 
auf dem Kopfe, bei dem Könige und dem Erstgebornen mit einer 
kleinen Krone, im enganliegenden mit Lilien und Leoparden be- 
säeten Wappenrocke, mit Arm- und Beinschienen und Schnabel- 
schuhen bekleidet. Auch die Prinzessinnen hatten fast gleiche 
'l'racht, ein enganliegendes Kleid, die Königin und die älteste 
Tochter mit einem Mäntelchen, die beiden jüngeren mit einem 
Oberkleide ohne Aermel, alle mit einer dicken Haarflechte auf der 
Schulter. Die perspectivische Zeichnung der Architektur ist sehr 
unvollkommen, die Haltung der 2 Fuss hohen Figuren überaus 
steif, besonders leidet der St. Georg, Welcher, vor dem Könige 
kniend, nach ihm zuriickgreift um ihn vorzustellen, an schlimmer 
Verrenkung. Von Portraitähnlichkeit ist keine Spur, den König 
1) Sorue ar-eount of the eollegian chapel of St. Stephan Westminster 
publicated by the soeiety of Antiquarians. Der ersten schon 1795 erschie- 
nenen Ausgabe sind dann später (1811) die Stiche nach den im Jahre 18ÜO 
von Richard Smirke gemachten Zeichnungen nebst seinen an Ort und Stelle 
niedergeschriebenen Bemerkungen über Farbe und Technik hinzugefügt. 
V1. 38
        

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