Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961837
Erregung 
der 
Phantasie." 
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vernimmt Gesänge, als 0b alle Saitenspiele süssiglich erklängen, 
und unterscheidet bekannte Melodien. Darauf beschränken sich 
die übernatürlichen Erfahrungen der Gottesfreunde nicht; sie 
haben sehr bestimmte Visionen und Träume, zum Theil sogar 
himmlische Erscheinungen, die von Mehreren zugleich wahrge- 
nommen werden; sie thun fast nichts ohne bildliche äussere Zei- 
chen von Gott. Da sie der WVelt und allen Unterschieden entsagt 
zu haben, und doch zu einem thätigen Eingreifen in persönliche 
und allgemeine Verhältnisse berufen zu sein glaubten, mussten 
sie specielle Anweisungen von Gott erwarten, und sich nach 
denselben mit Spannung umsehen. Keinem von ihnen entging 
nun freilich, dass sie sich hier auf einem sehr schlüpfrigen 
Boden bewegten. Merswin rechnet zu den vier grossen Versu- 
chungen seiner Zeit auch die inwendigen und auswendigen Of- 
fenbarungen von Lichten, Formen, Gesprächen und Visionen, 
denen, obgleich Gott seinen Freunden zuweilen in dieser Weise 
etwas Wahrheit zukommen lasse, nicht leicht zu glauben sei. 
Tauler versäumt keine Gelegenheit, dagegen zu Warnen; wer mit 
Visionen und Bildern umginge, würde, schreibt er ein Mal, gar 
sehr von dem bösen Geiste betrogen. Er verweist dabei auf das 
Evangelium, in dem die Wahrheit unbedeckt und offen vorliege. 
Gott meine, sagt Nicolaus von Basel, die heilige Schrift sei zu 
allen Dingen genügend  Selbst Suso, dessen ganzes Leben 
eine Kette von Visionen War, stimmt darin sehr ernstlich ein; 
wenn es auch zehn Jahre gut ginge, könne sich ein Engel des 
falschen Lichtes darunter mischen mit). Ob dies der Fall sei, 
solle man an der heiligen Schrift und Kirchenlehre prüfen oder 
auch an der Reinheit der Erscheinung, je bildloser, je mehr dem 
mittellosen Schauen Gottes gleichend, desto edler sei sie. Ni- 
colaus räth, nur dann solchen Erscheinungen zu trauen, wenn 
sie, von guten Wrahrzeicherl begleitet, durch WViederhohmg, 
durch theilweises Eintreffen, durch übereinstimmende Gesichte 
anderer Gottesfreunde bestätigt sind, und wenn sie überdies 
Dinge ergeben, die an und für sich gut und göttlich sind. Dann 
freilich ist er sehr geneigt, ihnen Glauben beizumessen und dies 
ü] Schmidt, Tauler, S. 212, 138, und Gottesfreunde, S. 121, 14. 
wir) Böhringer a. a. O. S. 424.
        

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