Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967224
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Französisch-niederländische 
Kunst. 
und von einem ihnen entgegentretenden Manne angeredet wertlen. 
Drei endlich sind allegorisch; eine Gestalt mit dem Schilde, aber 
ohne Flügel, also wohl nicht der Erzengel Michael, durchbohrt 
einen Drachen, eine weibliche Gestalt ebenfalls mit Schild und 
Bogen bewaffnet reitet auf einem Greife, und ein Adler bekämpft 
einen auf seinem Neste sitzenden Schwan. Es ist immerhin 
möglich, dass alle diese Miniaturen für einen Codex bestimmt 
waren, jedenfalls fehlen dann aber andere sie ergänzende. In 
stylistischer Beziehung sind die Bildchen ungleivh, aber doch 
von derselben Hand. Einige, namentlich die Krönung Mariä und 
selbst die Verkündigung, haben etwas Alterthümliches und 
Schwerfälliges und können nach dem Wunsche des Bestellers 
älteren Werken nachgebildet sein. Die Studien dagegen ver- 
rathen ein durchaus realistisches Bestreben; es sind Charakter- 
köpfe, die der Maler festgehalten hat, die eine Tafel scheint den 
Verkauf einer Sklavin durch orientalische Männer darzustellen, 
Während auf einer anderen Frauen in gleichzeitiger, modischer 
Tracht zusammengebracht sind. Es ist also augenscheinlich ein 
Skizzenbuch, bei dem die uns auffallende Wahl des Stoffes bei 
der Unzulänglichkeit des Papiers für so saubere Arbeit und bei 
der 'l'henrung des Pergalnents auf Wohlfeilheit durch mehr- 
malige Benutzung berechnet sein konnte. Ungeachtet des ge- 
steigerten Realismus und der sorgfältigen Ausführung des Land- 
schaftlichen, der Berge u. dergl. können wir doch die Entstehung 
nicht später als etwa in das zweite Decennium des fünfzehnten 
Jahrhunderts setzen. Von Eyckscher Schule ist der Künstler 
noch unberührt, vielmehr erinnern die weissen Lichter, manche 
Details der Zeichnung und die flüssige Linienführung noch stark 
an die Kunst des vierzehnten Jahrhunderts, wenn auch nicht 
gerade speziell an die Kölner Schule; auch die Schriftzüge ge- 
hören noch mehr dieser Zeit an, während die Trachten, nament- 
lich die der Frauen mit enganliegenden gürtellosen Jacken und 
mit turbanartig oder wie zwei Hörner aufsteigenden Hauben oder 
Kopftüchern eher auf den Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts, 
und zwar auf französische Moden hinweisen. Auf der Tafel, 
welche die Evangelisten Matthäus und Marcus enthält, hat dann 
nun auch der Künstler seinen Namen gesetzt, aber leider in einer
        

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