Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967171
Ihre 
Aufnahme 
in 
Frankreich. 
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den Urkunden findet, wie IIennequin, Vasoqnien, Henneqtiin 
Prindale, Wuillequin Seront, Hennequin de Bruxelles u. a. lassen, 
wenn auch in französischer Umgestaltung, den niederländischen 
Ursprung erkennen, und zeigen, dass sich um ihn herum eine 
künstlerische Kolonie seiner Landsleute gebildet hatte, in welcher 
dann nothwentiigerweisc jener so lange zurückgehaltene natio- 
nale Realismus zum herrschenden Prinzip werden musste. 
Auch war die Zeit inzwischen dafür günstiger geworden. 
Der Idealismus bildete zwar den Gegensatz, aber auch den Ue- 
bergang zu einer mehr realistischen Auffassung. In Deutschland, 
Wo die idealistische Richtung aus einer tiefen religiösen Begeiste- 
rung hervorgegangen war, vollzog sie diesen Uebcrgang allmälig 
und geräuschlos durch eigene Kraft; in Frankreich dagegen, wo 
der Idealismus mehr formaler und negativer Natur war, auf der 
ererbten Tradition künstlerischer Harmonie und auf aristokrati- 
schen conventionellen Anstands- und Schönheitsbegriffen beru- 
hete, vermochte er dies nicht. Die Künstler konnten sich nicht 
entschliessen, sich der Natur rücksichtslos und mit Wärme hin- 
zugeben, sondern brachten es nur zu schwachen Versuchen 
äusserer Richtigkeit. Den Kunstfreunden aber entging die da- 
durch entstehende geistige Monotonie und Leere nicht; sie such- 
ten Genuss und Unterhaltung und wandten sich daher mit Eifer 
den frischen naturalistischen Versuchen der Niederländer zu. 
Dass dies schon vor der Verbindung der Niederlande mit 
Burgund geschah, beweisen die niederländischen Künstler, wel- 
che wir gleich im Anfange der Regierung Karls V. in seinen 
Diensten gefunden haben, die Bildhauer Jean und Irlennequin von 
Lüttich (1368) und der Maler Johann von Brügge (1371) und 
die Werke dieser Künstler erklären den ihnen gegebenen Vorzug 
vollständig. Die jenen zuzuschreibenden Grabstatuen des Königs 
zeigen zwar, wie die Gestalt Philipps des Kühnen von Claux 
Sluter eine peinlich naturalistische Ausarbeitung der Hände, aber 
Gesichtszüge und Haltung habe eine anziehende Individualität. 
bei milder königlicher Würde, und die Miniaturen des Johann 
von Brügge erfreuen durch die kräftigere Modellirung und die 
frische Natürlichkeit ihrer Figürchen k). 
a] Ausser der oben angeführten Bibel, in welcher sich der Maler nennt, 
VI. 37
        

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