Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967161
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Niederländisch! 
Burgundische 
Kunst. 
dem der Brunnen jetzt genannt wird), David, Jeremias, Zacha- 
rias, Daniel und Jesaias, lebensgrosse Figuren, von kurzen Ver- 
hältnissen und von genanester Naturtreue nicht nur der Körper_ 
theile, namentlich der Hände, sondern auch der Gewandstotfe, 
Bücher u. dgL, alle mit höchst individuellen portraitartigeil Köpfen 
sehr lebendig und eigenthümliclt, aber auch last genreartig be- 
handelt. Moses, ein kräftiger, untersetzter Greis mit gespaltenen), 
bis auf den Gürtel herunterhäugendem Barte und strengen Zügen 
ist eine bedeutende imponirende Gestalt, und Daniel, der mit gu- 
tem Faltenwurfe des Mantels in rascher Bewegung auf seine 
Schriftrolle hindentet, schliesst sich mit den jugendlich schönen, 
wenn auch etwas jüdischen Zügen der Tradition an. Aber Jere- 
mias, ein Greis mit einem Käppelten und durch seine Brille emsig 
in dem geöffneten Buche lesend, Zacharias im Hermelirlkleitle 
und mit phantastischer lllütze, in der Linken das 'l'intenfass, in 
der Rechten die schreibende Feder haltend, und endlich Jesaias 
mit völlig nacktem haarlosem Haupte, aber in reichem golddurch- 
wirktem Kleide mit Gürtel und Tasche, sind mehr phantastisch 
ausgestattete Charakterligtlren aus der Zeit des Künstlers als 
Propheten, die auf das Ewige hinweisen. Bei vollständiger Be- 
malung, deren Spuren zu erkennen sind, muss dies realistische 
Element noch stärker gewirkt haben, aber auch so ist der Ein- 
druck ein völlig malerischer und die Gestalten erinnern in ihrer 
ganzen Haltung, besonders auch durch die weichen Gewaudfalten 
auf das Lebhafteste an die Eyckische Schule, als deren Vorläufer 
man daher unseren Bildner mit Recht betrachten mag. Der 
Brunnen soll schon im Jahre 1399, also einige Jahre früher als 
das Grab Philipp des Kühnen entstanden sein, und es mag sich 
aus der verschiedenen Bestimmung und Oertlichkeit beider Mo- 
numente erklären, dass dennoch in dem früheren der Naturalis- 
mus stärker als in dem späteren istät). 
Uebrigens stand Claux Sluter hier nicht vereinzelt da, son- 
dern die meisten Namen seiner zahlreichen Gehülfen, die man in 
a) Eine genauere Beschreibung des Mosesbrunnens von Waagen im D. 
Kunstbl. 1856, S. 238. Abbildungen bei Chapuy, moyen age monumental, 
Nro. 71 und bei du Somerard a. a. O. im Atlas, Chap. 5, pl. l, beide sich ergänzend, 
weil sie verschiedene Seiten des Brunnens zeigen, die letzte aber viel gelungener.
        

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