Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967158
unter 
burgundischer 
Herrschaft. 
575 
Fürsten Weniger günstig, Kopf und Hände sind mit bewunderns- 
werther, aber auch etwas pedantischer Naturtreue gebildet. Der 
Gewinn, welchen die Kunst im Allgemeinen durch diesen Meister 
und seine Richtung erlangte, kann also zweifelhaft erscheinen, 
aber die Fortschritte, welche der Naturalismus in den wenigen 
Jahren seit Vollendung jener Altarwerke gemacht hatte, sind 
gewaltig, und der Eindruck, den dieses Werk auf die Zeitge- 
nossen hervorbrachte, muss überaus gross gewesen sein, da 
das Denkmal Johann des Furchtlosen, Welches, obgleich er schon 
1419 gestorben, im Jahre 1442 noch nicht begonnen und 1461 
noch nicht vollendet, also eine ganze Reihe von Jahren jünger 
war, im WVesentlichen geradezu eine Nachahmung der Arbeit des 
Claux Sluter ist de). Der ausführende Meister dieses zweiten 
Denkmals war auffallender Weise ein Spanier Jehan de la Verta, 
genannt de liAroca, d. h. aus Aragonien, aber ohne Zweifel eben- 
sowohl wie seine beiden französischen Gehülfeil, Jehan de Dro- 
gues und Antoine le Mouturier, ein wenigstens mittelbarer Schü- 
ler Slutefs, auf dessen Styl sie vollständig eingehen. 
Von der Kirche der ehemaligen Karthause ist nur noch das 
Portal erhalten, dessen Sculpturen alterthümlicher scheinen als 
die des Claux Sluter mit Ausnahme nur der beiden knienden Fi- 
guren des Herzogs und seiner Gemahlin, welche als vortreffliche, 
sehr ausgeführte Portraitstatuen ihm zugeschrieben werden dürfen. 
Wichtiger ist der Ueberrest eines grossen Brunnens, Welcher frü- 
her die Mitte des Kreuzganges zierte. Es ist ein sechsseitiger 
Pfeiler mit eben so vielen Prophetenstatuen, deren Spruchbänder 
auf den Heiland hindeuten und sich auf das Bild des Gekreuzig- 
len beziehen, welches früher auf diesem Pfeiler stand, aber in 
der Revolution zerstört ist. Diese Propheten sind Moses (nach 
i") de Laborde a. a. 0., Vol. I, S. 383, 384. Drei Bildhauer, Guillaume 
Anns, Jehan de Cornicke und Anthoine Olerembault (die beiden ersten also 
gewiss Niederländer) erhalten 1442 und 1443 Entschädigung dafür, dass sie 
einen Alabasterbrueh aufgesucht, pour y trouver ä prendre pierres nöcessaires 
pour la säpulture de feu monseigneur le Duc Jehan, cui Dieu pardoint, la- 
quelle MDS (Philipp der Gute) a intention de faire faire aux Chartreux lez 
Dijon. Vergl. auch de Laborde im Index s. v. Verta. Eine Abbildung des 
Denkmals Herzogs Johanns bei du Somärard Part au moyen age, Album, 
Serie III, pl. XVII.
        

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