Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961815
Heinrich 
Susa 
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Der bedeutendste Repräsentant dieser ins Süssliehe gestei- 
gerten Liebeswäirme ist Heinrich Suso oder Seuss ü), wie er 
sich nach dem Gcschlechtsnamen seiner Mutter nannte, Mönch 
in Constanz, Zeitgenosse und Bekannter 'l'auler's. Sein ganzes 
Leben, das wir aus seiner eigenen Erzählung kennen, ist ein 
fortdauernde-r ltliunelsampf. Er ist vertraut mit dem Heilende 
und redet ihn als seinen nlclerzlieb" an, vorzugsweise aber 
Wendet er sich an die „göttliche WVeisheit", in der er nicht so- 
Wohl die Kirche, als nach Anleitung der Salomonischeil Bücher 
und des Jesus Sirach das ganze göttliche Wiesen schaut. Die 
erbietet sich ihm also leutselig in fräulichem Bilde, dass er ver- 
suchen will, ob ihm diese hohe Minnerin zu einem Lieb werden 
möchte, weil doch sein junges, mildes Herz sonder Liebe nicht 
wohl bleiben möge; sie verspricht ihm lieb und stät zu sein, da 
alle anderen ltlinnerimien täuschen und ihren Sinn wechseln; sie 
ruft ihm zu, dass er ihr sein Herz geben möge; er nennt sich 
ihren Diener, fühlt sich zu ihr in geistiger Gemahlschaft. Nach 
ihr sehnt er sich nachts und grüsst sie morgens; in der Maien- 
zeit, wenn nach schwäbischer Sitte die Burschen ihren Mädchen 
Lieder singen, bringt auch er ihr sein Lied dar. Er sucht sich ein 
schauliches Bild von ihr zu machen, wie sie hoch oben vor ihm 
in einem gewölbten Chore schwebt, leuchtend wie der Morgen- 
stern; er lässt sich auch ein Bildniss von ihr auf Pergament 
malen, stellt es in seiner Zelle Fenster, und blickt es an mit 
herzlicher Begierde. Dann will er aber auch für sie leiden, wie 
dies von altem Recht der Minne gehöre, und unterwirft sich nun 
Jahre lang den härtesten und zum 'l'heil widerliehsten Ka- 
steiuilgen, die mit beseligenden Visionen wechseln. Während 
Nicolaus und die Brüder des grünen Wörths die Beziehungen zu 
Frauen eher vermieden, fühlte er sich besonders berufen, auf sie 
zu wirken; er belaehrte eine grosse Zahl von Sünder-innen, die 
ihr Herz auf vergängliche Minne gerichtet hatten, wurde von 
vielen Frauen als ihr Beichtiger aufgesucht, und stand mit einer 
a") E! war aus dem alten ritterlichen Geschlechte von Berg, sein Vater 
war aber "der Welt Kind" und seine Mutter eine heilige Frau. Vergl. Hein- 
rivh Suso, genannt Amandus, Leben und Schriften, herausgegeben von Mel- 
chior Diepenbroek, Regensburg 1829, und Böhringer, a. a. O. S. 29T,
        

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