Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967118
unter 
burgundischer 
Herrschaft. 
571 
Gesellschaft eine Vorschule des feineren Geschmackes und ver- 
schafften dem durch die Gunst des Fürsten ausgezeichneten Mei- 
ster nicht blos die Ruhe einer sicheren Stellung, sondern auch Ruf 
und daher bedeutendere Aufträge. Zu dem Luxus der Grossen 
jener Zeit gehörte auch die Freigebigkeit an kirchliche Anstalten 
und die Gründung neuer Klöster, Wobei denn die theilweise V er- 
wendung der Schenkungen zu einer glänzenden, des hohen 
Wohlthäters würdigen Ausschmüekung der Kirche stillschwei- 
gende Bedingung war, und oft vom Fürsten geradezu befohlen 
und geleitet wurde. Die Ausgaben für höhere Kunst stehen also 
eigentlich doch auf dem Budget dieser Fürsten, nur unter einem 
andern Titel versteckt. Daher wurde denn nun Dijon, die Re- 
sidenz sowohl der älteren als der jetzigen burgundischen Dyna- 
stie, und namentlich die Karthause daselbst, Welche Philipp 1383 
gründete und zu seiner Grabstätte bestimmte, der Schauplatz 
einer regen künstlerischen 'l'hätigkeit, bei welcher Niederländer 
die Hauptrolle spielten und von der wir glücklicherweise noch 
bedeutende WVerke besitzen. Sie beiinden sich sämmtlich im 
Museum zu Dijon. Zuerst sind zwei grosse Altarschreine zu 
nennen, beide gleicher Grösse und Gestalt, bei vollständiger Oeif- 
nung im Mitteltheil stark hervortretende Reliefs, auf den Flügeln 
hölzerne Statuetten in gothischer Architektur, alles dies natürlich 
reich vergoldet und bemalt, auf den Aussenseiten endlich Tem- 
perabilder auf Goldgrund, die leider bei dem einen Altarwerke 
abgeblättert, bei dem andern aber wohl erhalten sind. Das 
Schnitzwerk ist, wie man weiss, die Arbeit eines Bildners Jacob 
de Baerze, der in Dendermonde in Flandern wohnte, die Ge- 
mälde schreibt man dem M elchior Broederlein oder Broedlain 
zu, der schon seit 1385 als Maler und varlet de chambre im 
Dienste des Herzogs stand k), die Zeit der Arbeit fällt zwischen 
m) Vergl. über alle diese Kunstwerke von Dijon Passavant im Kunstblatt 
1843, S. 256, und Waagen im D. Kunstblatt 1856, S. 236. Die Namenan- 
gaben beruhen auf den Forschungen des Director's des Museums zu Dijon, 
Herm von Saint-Memin, und scheinen nach den Angaben von de Laborde 
(a. a. O. II, 1 im Index bei den betreffenden Namen vergl. mit S. LXXIII) 
urkundlich bestätigt. In den Rechnungen Philipp's des Kiihnen sind die Al- 
täre der Karthause nicht erwähnt und wird Broedlain hier nur mit den gewöhn- 
lichen decorativen Arbeiten aufgeführt.
        

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