Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967108
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Die 
niederländische 
Kunst 
kommen das Recht hatte, neben den heiligen Gestalten auch dem 
Humor Raum zu geben, kam jenes nationale Element mehr zu 
seinem Rechte und zu weiterer Ausbildung, so dass es Lächeln 
und VVohlgefallen erweckte, und dann, sobald sich die Strömung 
von der idealen Seite Wieder mehr zur realen hinwendete, der 
niederländischen Kunst einen Vorzug vor der der anderen Länder 
verschaffte. 
Allerdings war dann auch die Vereinigung der Niederlande 
mit Burgund ein günstiger Umstand; aber doch von mehr mittel- 
barer Wirkung. Man kann nicht behaupten, dass Philipp der 
Kühne und noch weniger, dass sein Sohn Johann der Furchtlose 
grosse Kunstfreimde gewesen, sie hatten zwar stets einen und 
oft mehrere Maler mit festem Gehalte und mit dem Ehrentitel 
eines Hofbedienten, als varlet de chambreü) in ihren [Neuster], 
aber die Zahlungen, Welche diesen Künstlern geleistet worden, 
ergeben, dass sie meistens nur mit Anfertigung des ganzen bun- 
ten Apparats, mit dem man damals 'l'urniere und andere [feste 
zu schmücken liebte, mit Bemalung von Fahnen, Harnischen, 
Zelten, WVagen, Masken, ja selbst mit Lieferung der Kleider für 
das Gefolge des Herzogs beschäftigt waren. Während Philipps 
Regierung kommt die Bestellung eines Gemäldes höherer A" 
nur ein Mal vor, es ist eben jenes schon erwähnte Altarbild des 
Johann von Hasselt, des Hofmalers seines Vorgängers, so dass 
diese xiöllig einzig dastehende Bestellung vielleicht irgend ein be- 
sonderes Motiv des Mitleids oder der Entschädigung hatte, wäh- 
rend die eigenen Maler des Herzogs ihm geradezu nur als Ge- 
hülfeir seiner Feste dienten. Allein dennoch kam dieser Luxus 
des burgundischen Hofes der Kunst zu statten, auch diese fest- 
lichen Aufgaben forderten geschickte Hände, wurden ein Gegen- 
stand des VVetteifers, zogen Künstler herbei, gaben denselben 
einen V ereinigungs- und Mittelpunkt, wurden der vornehmen 
 Die Ehre eines solchen Titels war nicht sehr gross, Sticker, Tapezierer, 
Kürschner, Gewürzkrämer, Schuhmacher (de Laborde a. a. O. I, pag. XL und 
Nro. 959, 972, 1001, 1056, 1292, II, 4943) führen ihn; aber er gewährte ein 
nicht unbedeutendes Gehalt (200 Livres und mehr] ohne fortlaufende Ver- 
pflichtung und während etwaniger Dienstleistungen die Bewilligung von zwei 
Pferden und einem Diener (varlet ä livree].
        

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