Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967064
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Niederländische 
Kunst. 
Die Bildchen, ohne Zweifel während dieser Zeit und im Kloster 
gefertiget, stehen in der künstlerischen Durchbildung noch auf 
keiner hohen Stufe; sie sind auf Gold- oder 'l'apetengrund mit 
der Feder ziemlich leicht gezeichnet und colorirt, zeigen aber 
dahei ein ungewöhnliches und erfolgreiches Bestreben nach Na- 
turwahrheit und Charakteristik, also dieselbe Tendenz, wie die 
Sculpturen der einheimischen Schule, und vermöge der leichteren 
Technik in noch stärkerem Maasse. Eines der Bilder schildert, 
wie das Volk die Schuld der verheerenden Krankheit den Juden 
znschreibend einige derselben auf dem Markte verbrennt; man 
sieht sie schreiend in den Flammen, während die Bürger theils 
mit fanatischer Freude Ilolzbündel hineinwerfen, theils sich drän- 
gen, um das Schauspiel zu sehen. Ein anderes führt uns zur 
Pestzeit auf den Kirchhof, zu dem sich die Bestattenclen drängen; 
vorn in dem sorgsam ausgeführten Hasen sieht man grabende 
Männer oder solche, welche die Leichen in die Grüfte senken, 
Während neben ihnen schon andere von den 'l'rägeri1 abgesetzte 
Särge der Bestattung harren und seitwärts eine Anzahl von Per- 
sonen mit Särgen auf den Schultern in ängstlicher Eile herange- 
laufen kommen. Die Bildchen sind ziemlich figurenreich und aus- 
drucksvoll und überhaupt ist die Aufgabe, jene grauenvollen Iler- 
gänge anschaulich zu machen, ziemlich geschickt gelöst. Aber 
von einem tieferen Verständniss der Körperbiltlilng ist noch nicht 
die Rede und das landschaftliche Element noch völlig unausge- 
bildet, selbst die Andeutung von Gebäuden des Marktplatzes 
fehlt gänzliclfe). Etwas stärker ist es in einem jetzt ebenfalls im 
Museum Wierstreeneil im Haag bewahrten Messbuche, welches 
zufolge ausführlicher Inschrift des aus Antwerpen stammenden 
Illuminators zu Gent im Jahre 1366 vollendet isttkät). Die 
Zeichnung der Köpfe ist noch sehr einförmig und ohne Gefühl 
für Individualität, selbst an den wiederholt vorkommenden Bild- 
 Ein drittes Bild! von sittengeschichtlichem Interesse stellt den Aufzug 
der Geissler dar; zwei Knaben mit Fackeln geht-n voran, die Geissle-r selbst in 
weissen Busskleidern und mit eigenthümlichen llliitzen folgen paarweise. Die 
Alzffassung ist aber bei weitem nicht so lebendig, wie auf jenen Bildern. 
M) Vergl. wiederum Waagen a. a. O. im D. Kunstbl. 1852. Anno dei 
MCCCLXVI    fuit perfectus liber iste a laurentio illuminatore presbytcro de 
Antwerpia commemoraxiti Gandavi.
        

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