Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-967049
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Niederländische 
Kunst. 
Tendenz des Zeitalters erlegen sein mag, da wir keine weiteren 
Leistungen von ihr aufzeigen können. 
Es ist nicht zu bezweifeln, dass diese rüstige Schule auch 
ausserhalb der Mauern ihrer Stadt wirkte und Einfluss gewann. 
Wie frühe dies geschah, beweist eine Urkunde im Archiv von 
Tournay, nach Welcher schon 1341 der Herzog Johann IlI. von 
Brabant bei einem dortigen Meister Wuillaume du Gardin ein in 
der Franciscanerkirche zu Löwen zu errichtendes Denkmal be- 
stellte  Leider existirt dieses nicht mehr, dagegen sind in der 
Kathedrale von Mons im Hennegau mehrere Gräber, das früheste 
von 1409, das jüngste von 1431, welche denen von Tournay 
gleichen, und endlich findet sich in Courtray in der schon er- 
wähnten von Ludwig von Maele im Jahre 1374 der Frauenkirche 
angebauten Katharinenkapelle eine Reihe von freilich miniatilr- 
artig kleinen, aber geistreichen und interessanten Reliefs, welche 
nach Tendenz und Styl der Schule von Tournay angehören. Sie 
sind nämlich in den Zwickeln der Arcaden, Welche die Kapelle 
auf drei Seiten umgeben, angebracht, und enthalten eine Fülle der 
verschiedensten Gegenstände in bunter Mischung, theils heilige 
Geschichten, das Leben der Jungfrau, die Legende eines Bi_ 
schofs und die eines ritterlichen Heiligen, wobei denn noch ganz 
die Grazie des idealen Styles herrscht, theils phantastische Dinge, 
Ungeheuer, Köpfe, Blattwerk, Jagden, zuweilen aber auch aus 
dem Leben gegriffene genreartige Figuren, zIB. einen Bauer mit 
dem Dudelsack, einen Trommelschläger in enganliegender, höü- 
scher oder soldatischer Tracht, welche mit einem frischen Natu- 
ralismus sehr lebendig dargestellt sind mit). 
4') Waagen a. a. O. und de Laborde, Ducs de Bourgogne I, pag. LXIV, 
geben den Inhalt dieser noch ungedruckten Urkunde nach Mittheilungen von 
Dumortier. Dass in derselben die Bemalung in guten Oelfarben (pointure a 
boines couleurs a ole) ansbedungen ist, entspricht den Wahrnehmungen an 
den Grabmälern von Tournay und bestätigt die schon sonst bekannte That- 
sache, dass man im vierzehnten Jahrhundert Oelfarbe zur Bemalung des Steines 
anzuwenden püegte. 
i") Schayes, Hist. de Parehit. III, 186, spricht bei Erwähnung dieser Ka- 
pelle von dem Naturalismus der darin beilndlichen Reliefs "der sieben Tod- 
siinden", welche ich trotz der Mannigfaltigkeit der Gegenstände nicht darunter 
entdecken konnte.
        

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