Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966966
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Französische 
Kunst. 
und Bildhauer, nicht verschmähete, mit eigener Hand Miniaturen 
für seinen Herrn zu malen ä). Ausserdem werden in dem Bü- 
cherverzeichnisse des Herzogs von Berry namentlich genannt ein 
Jaquemart aus Hesdin in Flandern M) und ein Paul von Lim- 
burg nebst seinen zwei Brüdern, beide mit grosser Auszeichnung 
und nur bei besonders kostbaren Miniaturwerken, während bei 
anderen, gleichwohl sehr schönen Büchern, nur die „Arbeiter" 
des Herzogs als solche und ohne Namensangabe erwähnt wer- 
denäwetk). Für das Verhältniss, in welchem diese Künstler zu 
dem Herzoge standen, ist es bezeichnend, dass Paul von Lim- 
burg und seine Brüder ihm zu Neujahr 1410 eine Attrape, näm- 
lich ein Stück Holz schenkten, welches sie täuschend Wie ein 
Buch bemalt hatten, und dass dieser Scherz in der Bibliothek be- 
wahrt wurde; der Werth aber, den man auf ihre Arbeiten legte, 
ergiebt sich daraus, dass einige Hefte eines unvollendeten Gebet- 
buches mit Malereien Pauls und seiner Brüder in einem Kästchen 
verschlossen aufbewahrt und im Verzeichnisse auf 500 livres 
geschätzt wurden Wir dürfen annehmen, dass die wenigen 
k) In dem in den Jahren 1401 bis 1403 geschriebenen Verzeichniss der 
Bibliothek des Herzogs von Berry heisst es bei einem Psalter: I1 a plusieurs 
histoires au commencement de 1a main de maitre Andre Beauneveu. Waagen 
(K. und Kunstwerke in Frankreich, III, 335) glaubt diesen Codex in der Pa- 
riser Bibliothek entdeckt zu haben; ich gestehe, dass mir die Arbeit für den 
Liebling des Herzogs zu alterthümlich scheint. 
H) Waagen führt (a. a. O. S. 339) die betreffende Stelle eines in den 
Jahren 1412 bis 1416 verfassten Verzeichnisses nach einer Mittheilung des 
Grafen Bastard in solcher Fassung an, dass darin von einem Jaquemart und 
einem Hodin die Rede sei (histoires de la main de Jaquemart, de Hodin ect]. 
Nach den Ermittelungen von de Laborde (a. a. O. I, pag. CXXI und II, pag. 
XLV) heisst jedoch der Maler Jaquemart de Esdin, so dass wahrscheinlich die 
Veränderung in Hodin in dem nur in Abschrift vorhandenen Bücherverzeich- 
nisse auf einem Missverständnisse des Copisten beruht. Jaquemart war eben- 
falls und zwar schon im Jahr 1384 "pintre" im Solde des Herzogs. 
4m?) Z. B. Unes belles heures, tres bien et richement historiees  lesquelles 
Monseigneur a fait faire par ses ouvriers. Diese Notiz steht bei einem Buche, 
das (freilich mit Einschluss der grossen, am Einbande angebrachten Perlen) auf 
875 livres tournois geschätzt ist. 
1') Vergl. die Notizen bei de Labor-de a. a. 0. pag. GXXI. Seine Angabe, 
dass das Gebetbuch des Herzogs von Berry mit Malereien des Paul von Lim- 
burg und seiner Brüder, welches Waagen a. a. O. S. 340 im Besitze des Grafen
        

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