Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966907
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Französische 
Sculptur. 
auf das ganze XVerk bezogen und dann bei der unverkennbaren! 
Stylverschiedenheit der südlichen von den nördlichen Reliefs 
diese als die älteren dem Oheim, jene dem Neffen zugeschrieben. 
Allein die Verschiedenheit ist grösser und deutet nicht auf un- 
mittelbare Fortsetzung, sondern auf eine längere Zwischenzeit. 
Schon der architektonische Llntcrbati beider Seiten ist völlig ab- 
weichend, der der Südseite mit 27 schlanken Arcaden, die durch 
ein Säulenbündel mit raffinirter Proiilirung getrennt und durch 
besondere Einrahmungen in neun A btheiltnlgen von je (lrci Bögen 
getheilt sind, trägt in jeder Beziehung das Gepräge des vier- 
zehnten Jahrhunderts, während der der Nordseite bei gleicher 
Breite nur eine Reihe von 19, Folglich breiteren, ununterbrochen 
fortlaufenden Arcaden enthält, deren einfachere, derbe Formen 
ebenso entschieden auf das dreizehnte Jahrhundert, wenn auch 
erst auf das Ende desselben hinweisen. Die Reliefs beider Seiten 
sind aber immer mit ihrer architektonischen Basis gleichzeitig, 
ja diese scheint durch das Interesse des Bildners bestimmt. Denn 
während auf der Nordseite die Darstellung ebenso ununter- 
brochen fortschreitet wie die Arcadenreihe und vierzehn verschie- 
dene Hergänge ohne äussere Trennung in chronologischer Folge 
und getiräitgter Anordnung erzählt, hat der Meister der Südseite 
durch die Einrahmung von je drei Arcaden sich den V ortheil ver- 
schafft, auch seine Bildfläche in neun gleiche, besonders einge- 
rahmte Felder zu theilen, von denen jedes ein in sich abge- 
schlossenes Bild enthält. Schon die Architektur ist daher dort 
auf den mehr epischen und reliefartigeu Vortrag der Geschichte 
im Ganzen, wie das dreizehnte Jahrhundert ihn gewohnt war, 
hier auf eine lyrische Sonderung der Momente und auf eine mehr 
malerische Anordnung berechnet. Beiden liegen daher ganz ver- 
schiedene künstlerische Anschauungen zum Grunde. Ebenso 
Jehan le Bouteiller son nepveu les a parfaictßS lall MCCCLI- 1I1 der deut- 
schen Ausgabe des Gailhabaud ist, ohne Bemerkung über diese wichtige Ab_ 
weichung von der französischen, das L in ein viertes G, und mithin die Jahres- 
zahl in 1401 verwandelt, wahrscheinlich nur durch einen Druckfehler, welche; 
indessen schon in die dritte Auflage von Kuglefs Kunstgesch. II, 454 über. 
gegangen ist, und den Verfasser dieses Abschnittes verleitet hat, durch Be- 
rechnung der in der Inschrift erwähnten 26 Jahre die Anfangszeit irrig auf 
1376 zu bestimmen.
        

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