Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966881
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Französische 
Sculptur. 
Epoche, aber doch noch sehr häufig antreffen. Sie sind fast 
immer anmuthig, in der bekannten gebogenen Haltung, aber doch 
meist gemässigt, niemals so stark wie einige Male in Deutsch- 
land, dabei nicht ohne naive, dem Leben entlehnte Motive, aber 
freilich oft manierirt und noch öfter einförmig und glatt, freier von 
Fehlern als die Werke des zwölften und dreizehnten Jahrhun- 
derts, aber auch ohne den hohen erhabenen Ernst, welcher die 
einen, und das volle, frische Schönheitsgefiihl, welches die ande- 
ren auszeichnet, und ohne irgend eine geistige Eigenschaft, wel- 
che für diesen Mangel entschädigt. Belege für diese Behauptung 
finden sich fast in jeder Kathedrale; in Rouen die Reliefs der 
Geschichte Christi an dem Südportale der Facade und der Ge- 
schichte Johannes des Täufers an den Portalen des einen Kreuz- 
schiffes F), in Amiens eine Madonna am Südportal und die Sta- 
tuen der Nordseite, in welchen man Bildnisse von Karl V. und 
anderen gleichzeitigen Wohlthätern der Kirche zu erkennen 
glaubt, in Rheims die allerdings sehr zierlichen Statuen auf der 
Westseite im Inneren neben den Portalen, an Notre Dame von 
Paris endlich die Madonna am Portale des nördlichen Kreuz_ 
schiffes fit), welche das Kind mit dem Ausdrucke mütterlichen 
Stolzes emporhebt. 
Viel wichtiger sind aber die einst farbigen, jetzt überweiss- 
ten Reliefs an den Chorschranken im Inneren dieser Kathedrale. 
Die ganze Einschliesstmgstvand des Chores war früher, wie wir 
aus älteren Beschreibungen Wissen, mit Reliefs und Statuen ge- 
schmückt, der grösste Theil dieser Wand ist aber unter Ludwig 
XIV. behufs einer prachtvolleren Ausschmückung des Altar- 
raumes abgebrochen, und nur die Theile hinter den Chorstühlen 
sind stehen geblieben, beide mit Reliefs aus der Geschichte 
Christi, aber nicht völlig zusammenhängend, indem die der 
4') Taylor, Voyages pitt. et rom. dans Panc. France, Normandie pl. 137, 138. 
w") Der gewöhnlichen Annahme, dass dies Portal unter Philipp dem Schönen 
(1313) entstanden sei, widersprechen die neueren französischen Archäologen 
Viollet-le-Duc (in seinem Dictionnaire) und Guilhermy (Itineraire arch. de Paris 
1855, S. 81), indem sie es für ungefähr gleichzeitig mit der 1'257 begonnenen 
Fagade des südlichen Kreuzschitfes erklären. Die Sculptureu scheinen den- 
noch, was auch bei der Dauer der architektonischen Arbeit beider Facaden 
sehr begreitlich, erst im vierzehnten Jahrhundert hinzugefügt.
        

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