Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966863
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Französische 
Sculptur. 
chcrliebhaber Herzog Johann von Berry (1340 bis 1416) bcsass 
und der vielleicht um 1360 entstanden sein magdt), zeigt sich 
zwar der bedeutende technische Fortschritt, dass die zahlreichen 
Miniaturen sämmtlich ganz mit dem Pinsel ausgeführt, dabei von 
lebendigerer Färbung und etwas kräftiger modellirt sind; aber 
die Auffassung ist noch im WVeseiltlichen dieselbe, conventionelle, 
zierliche, wenn auch die Köpfchen zuweilen etwas mehr Aus- 
druck und die Bewegungen bei aller vornehmen Zurückhaltung 
etwas mehr VVahrheit haben. Von landschaftlicher Behandlung 
ist übrigens noch keine Spur, der Rosenstock zur Bezeichnung 
des Liebcsgarlcxis ist unendlich steif und Narciss in blauer cöle 
hardie und mit zweifarbigen Beinkleirlern steht auf rothbraunem 
'l'apetengrunde vor dem viereckig eingerahmten Bassin mit gros- 
ser Gelassenheit. 
Forschern wir nach den Leistungen der Sculptur während 
desselben Zeitraums, etwa bis zum Regierungsantritte Karls V_ 
(1365), so sehen wir auch diese Kunst auf dem in der vorigen 
Epoche eingeschlagenen WVege mit steigender Belebung fort- 
schreiten. Schon die Königsgrxlft von St. Denisim] liefert (lafür 
den Beweis. Da finden wir gleich aus dem Anfange der Epoche 
die Grabbilder der Gräfin von Artois (1- 1311) und ihres G9- 
mahls, des Grafen von Evreux (1- 1319), besonders jene überaus 
anziehend, in ruhiger Haltung, die Iläilde gefaltet, das feine milde 
Gesicht in fast nonnelnhafler Verhüllung, das gürtellose Ober- 
kleid in weichen Falten mit kaum bemerkbarem Schwunge der 
Linien bis über die Füsse fallend, ein Meisten-Stück von Feinheit 
und Eleganz. Auch die cigenthümliche Aufgabe eines fünf 'l'age 
nach seiner Geburt gestorbenen Königs, Johanns I. (1- 1316) 
des nachgebornen Sohnes Ludwigs X. ist glücklich gelöst, wenn 
auch ohne Anspruch auf Portraitähnlichkeit; es ist die Gestalt 
eines Kindes von etwa zwei Jahren in längerem Unlerkleide und 
a) Mss. frang, Nro. 6985, 3. 3.  Waagen, a. a. O. S. 305, nimmt an, 
dass die Malereien für den Herzog von Berry au sgefü hrt seien; allein die Notiz 
mit der Urlterschrift des Secretairs Flameel (Le Romant de 1a Rosse est aJehan 
lilz du roi de Hanne Duc de Berry) nennt ihn nur als Eigenthümer. 
H") Guilhermy, Monographie de Fäglise royale de St. Denis (1848), und 
Bernh. Stark, Städteleben, Kunst und Alterthum in Frankreich, Jena 1855.
        

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