Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966846
544 
Französische 
Kunst. 
sind die Weiblichen und zarten Gestalten und Motive, die Anmuth 
der jugendlichen Heiligen, ihre Standhaftigkeit bei den Martern, 
die man über sie verhängt, die Empfindungen ihrer Zuhörer, das 
 Lauschen ihrer treuen Dienerin an 
l   " ihrer Kerkerthüre (deren Gestalt die 
Igätgo : beigefügte Zeichnung giebt), das 
I _  Tasten des blinden Greises, der, 
l i. durch einen Traum belehrt, von sei- 
1, m j nein Knaben geführt, im Walde die 
  lllt, I Grabstätte sucht, alles ist höchst 
   Wahr und anziehend dargestellt. 
f,  T Es ist interessant, diesen Codex 
 i  "T von 1314 mit dem um dieselbe Zeit 
   W und mit ganz ähnlicher Bestimmung 
  im f", j in Deutschland gemalten Passionale 
lt,      der Prinzessin Kunigunde, das wir 
i) 7.     oben kennen lernten, zu vergleichen. 
   Y  Sehen wir auf Abrundung der Form 
Es) 32T "l  mit" und Harmonie der Farbe, so hat das 
lÄ-r J  französische Werk unbedingt den 
Vorzug; bei allen Mängeln der 
Zeichnung kommen so grosse Härten wie dort nicht vor. Aber 
freilich ist es auch Weit entfernt von der Tiefe des Gefühls und 
selbst von der Schönheit der Linie, die wir dort entdecken. Auch 
sind die Compositionen des Prager Künstlers viel figurenreicher, 
die Gesichter enthalten mehr Details, die Falten der Gewänder 
fallen viel gedrängter und endigen mit dem bedeutsamen Schwunge 
des langen Gewandes. Wir fühlen überall den Drang noch mehr, 
noch Tieferes auszusprechen, und glauben die Arbeit eines noch 
unausgebildeten, aber hoch begabten Künstlers vor uns zu haben, 
der die höheren Ziele der Kunst Wenigstens ahnet und erstrebt, 
während die französischen Miniaturen mehr einem vornehmen 
Dilettantismus entsprechen, dem Leichtigkeit und Eleganz der 
Form über alles gehen. 
Sehr zahlreiche französische llliniaturcn und unter ihnen 
mehrere, deren Entstehungszeit sich auch durch äussere Beweise 
feststellen lässt, zeigen dass diese Weise sich bis um die Mitte
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.