Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966836
div) 
sehritte, nicht gerade in correcter Zeichnung, aber im Gefühl für 
Lebenswahrheit und Anmuth. Ein interessantes Werk (119591- 
Anfaxigszeit ist ein jetzt im königlichen Kupferstichkabinet zu 
Berlin bewahrles , für das N onnenkloster Sayenx in der Picardie 
und zwar, da der vorangeschickte sogenannte ewige Kalender 
mit diesem Jahre beginnt, um 1314 gefertigtes Gebetbuch mit 
theils lateinisehem, theils französischem Texte. Schon die klei- 
nen, dem Kalender eingestreuten Bildchen, oben am Monatsan- 
fange nicht blos Heilige, sondern auch turnirende Ritter eleganter 
Gestalt und unten auf den Randarabesken die Nonnen selbst in 
halb seherzhaften Darstellungen mit Jagd, Fischfang und Garten- 
arbeit beschäftigt, sind mit; ihrem bescheiden naturalistischen 
Hange sehr graziös und gefällig, viel bedeutender aber die grös- 
seren, die ganze Blatt-seite einnehmendeli hliniattireti, welche in 
ihrenl Zusammenhange die Geschichte der lteiligetl Benedieta und 
des auf der Auflindungsstelle ihrer Leiche gegründeten Klosters 
enthalten. Es sind immer noch Federzeiehnungeit mit leichter 
und fester lland ausgeführt und zart kolorirt, das I-Iaar blos 
durch Federstriche bezeichnet, die Carnation bleich, nur mit 
stark aufgesetzter XVangenröthe, die Gewänder zum Theil in 
den Lichtern weiss, zum Theil aber auch in kräftigeren, dunk- 
leren 'l'oneti, Gebäude und Bänme zur Charakterisirung des Her- 
ganges hinzugefügt, übrigens aber der Hintergrund golden oder 
tapetcnartig. Die Compositiotietl gehen ohne Llmscltweif zu ihrer 
Attfgabe und bestehen meist aus wenigen Figuren, doch hat der 
Maler sie, wo es ihm nöthig schien, nicht gespart, z. B. bei der 
Zerstörung des Klosters durch die Kriegsletite des Grafen von 
Cantbray, wo diese und die fliehenden Nonnen in ziemlich grosser 
Zahl angebracht sind. Die Zeichnung ist keinesweges richtig, 
die Anne sind auch hier fast immer zu kurz, die Augen zu gross, 
die Bewegungen übertrieben oder ungenügend. Aber Farbe und 
Zeichnung ergänzen sich und geben ein harmonisches Bild, der 
Ausdruck ist, ungeachtet der leichten Zeichnung des Gesichts, 
höchst sprechend, die Bewegung der Figuren bei aller Unvoll- 
kommenheit sehr charakteristisch, das Ganze giebt eine verständ- 
liche lilrzählung, die uns durch ihre liebenswürdige Naivelät und 
durch die Anmuth des Vortrages anzieht. Besonders gelungen
        

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