Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966796
Steinsculptur. 
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Nebenportale , und nicht minder in Worms das inhaltreiehe 
Relief im Bogenfelde des nördlichen Domportales nähere Beach- 
tung. Zum Schlusse dieser Uebersicht will ich die mit Recht 
gerühmtel: Statuen des aus dem Schiffe in den Kreuzgang füh- 
renden Portals im Dome zu Mainz M) nennen, weil sie chrono- 
logisch und geistig recht eigentlich einen Abschluss der Bestre- 
bungen dieser Epoche bilden. Es sind durchweg Weibliche oder 
jugendliche Heiligenbilder von mehr runden und vollen als schlan- 
ken Verhältnissen, aber mit einer Anmuth, welche an die Ge- 
stalten des Kölner Dombildmeisters auf das Lebhafteste erinnert, 
ja gewiss unter dem Einlluss seiner Kunst entstanden ist. Sie 
gehören zu den lieblichsten Erzeugnissen (ieutschei- Plastik, aber 
sie zeigen auch die Abhängigkeit von der Malerei, in welche die- 
selbe gerathen war. Die Plastik ist ihrer Natur nach auf Motive 
männlicher Kraft und auf eine strenge, idealistische Haltung an- 
gewiesen; die Zeit aber kannte nur weiche, weibliche Motive und 
neigte immer mehr zu einenl naiven, sinnlichen Realismus. Kein 
XVunder daher, dass die Plastik von der ersten Stelle, auf der sie 
stand, zurücktrat um sich der Malerei unterzuordnen und anzu- 
sehliessen, dass sie nur in der ehrbaren, portraitartigen lrlaltung 
der Grabbilder und bei ltladonnen, Engeln oder anderen weib- 
lichen und jugendlichen Gestalten sich recht wohl fand und ihr 
Bestes leistete, und endlich dass das edele, ächtkiinstlerisehe Ma- 
terial des Steines ihr weniger zusagte, als das weiche Holz. 
Auffallend ist es, dass diese Neigung nicht. auch der Thonpla- 
stik in gleichem Grade zu Theil geworden ist. Allein Bildwerke 
in derselben sind selten; selbst in den Ländern des Ziegclbaues 
kommen sie wenig und meistens nur in roher oder stumpfer Be- 
handlung vor, wie z. B. an der Katharinenkirche zu Brandenburg 
3] Vergl. Kugler kl. Sehr. II, 177. 
H] Vergl. besonders die Abbildungen bei Müller Beiträge 1, S. 3G. Moller 
Denkmäler I, Tilf. 54. Das vortreftlir-he Relief, welches jetzt im Krelllgamgn 
des Mainzer Domes eingemaucrt und auf die Unterwerfung der Bürger unter 
ihren Erzbischof im Jahre 1331 gedeutet ist (Müller a. a. O. II, S. 47], ge- 
hört, wie man der übereinstimmenden Ansicht vun Wetter im Texte des er- 
wähnten photographisr-hen Werkes über den Mainzer Dom S. 14, und von 
Kugler im D. Kunstbl. 1858, S. 195 zugeben muss, wahrscheinlich nicht dem 
vierzehnten, sondern dem dreizehnten Jahrhundert an.
        

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