Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966759
Steinsculptur. 
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terte allerdings das XVagniss, aber immerhin ist es ein merk- 
würdiger Beweis eines entschieden naturalistischen Strebens, das 
selbst in der gleichzeitigen Blüthe der Malersehule von Prag 
keine Erklärung findet. Die Zahl erhaltener Seulpturen dieser 
Zeit ist hier zu klein, um es als eine gemeinsame Eigenschaft 
der dortigen Plastik zu betrachten, indessen spricht dafür eine 
jetzt in einem abgelegenen Raume des Domes bewahrte steinerne 
Statue des h. WVenzel, Welche auf ihrer Basis das Zeichen des 
Peter Arler enthält, wie es sich an seiner Büste auf der Gallerie 
findet, und daher als sein eigenhändiges WVerk angesehen wer- 
den kairnit). Es ist zwar ein einfaches Standbild des Heiligen 
im Kettenharnisch mit anliegender 'l'unica und wohlgearbeiteten 
Beinschienen, aber die freie und bewegte Haltung des Körpers, 
motivirt durch eine Seitenwenduxig des Kopfes _und Blickes, zeigt 
doch ein entschiedenes Streben nach dramatischer Lebendigkeit. 
Von den Werken der Steinsculptu r habe ich nach dem, 
was bei Gelegenheit der Kölner und Nürnberger Schule gesagt 
ist, nur eine Uebersicht des in anderen Gegenden Vorhandenen 
zu geben. Ueberall wo man in Sandstein baute, ist sie zahlreich 
und auch durch manches Schöne und Erfreuliche vertreten, das 
aber freilich auch überall mit vielem Rohen und Linbedeutentien 
gemischt ist und bei der Gleichheit der Gegenstände und des 
unscheinbaren Materials leicht übersehen wird. Scharf geson- 
derte Gruppen bilden sich in dieser Masse nicht; weder in geor- 
gralwhischer Beziehung, da die provinziellen Eigenthümlichkeiten, 
wenn überhaupt vorhanden, sehr unbedeutend sind, noch in chro- 
nologischer, da der Fortschritt von der anfänglichen mehr idealen 
und eonventionellen zu der späteren mehr realistischen WVeise 
höchst allmälig und unmerklich vor sich geht und nicht durch 
cpochemaehende Künstler geleitet ist. Einigermassen orientirend 
ist die Vergleichung der vielfach wiederkehrenden Darstellungen 
gleichen Inhalts und vor Allem der Madonnenstatuen, Welche in 
jeder Beziehung die wichtigste Aufgabe bildeten und an denen 
sich, selbst an unscheinbarer Stelle und in geringem Stoffe, das 
künstlerische Gefühl zu höherem Fluge erhob. Dahin gehören 
eine solche Statue im Chore der Predigerkirche zu Erfurt noch 
T) S. die Abbildung im Organ für christliche Kunst 1857, Nro. 15.
        

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