Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966747
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Deutsche 
Kunst. 
Grnbstätte in den neuen Chor, und das des Bischofs [Ieinrich von 
Bockholt im Dome zu Lübeck, das ohne Zweifel bald nach dem 
Tode (1341) gefertigt wurde, überraschen durch die lebendige 
Individualität des Gesichts, und das letzte auch durch die natür- 
liche und freie Haltung des Körpers und die würdige Gewan- 
dung. Noch bedeutender ist aber die kühne Reiterstatne des l1_ 
Georg auf dem Domplatze zu Prag, welche auf Veranlassung 
des Kaisers Karl IV. im Jahre 1373 durch zwei uns sonst und 
ihrer Herkunft und Schule nach unbekannte Künstler, Martin 
und Georg von Clussenbach, gegossen, noch jetzt bis auf wenige 
und leicht kennbare Reparaturen unbeschädigt erhalten ist m], 
 Von architektonischer Steifheit, wie wir sie etwa an der Reiter- 
statue des h. Stephan im Dome zu Bamberg, ja selbst noch an 
den italienischen Reiterstattlen des fünfzehnten Jahrhunderts 
Wahrnehmen, ist hier keine Spur; Ritter und Pferd sind in leben- 
digster Action dargestellt, jener mit jugendlich schönen. aber 
ziemlich allgemeinen Gesichtszügen, schlankem, wohlgebildetem 
Körper, in eleganter l'laltl11ig auf den am Boden liegenden 
Drachen heransprengend, den seine Lanze schon durchbohrt. 
Die Ausführung bezweckt die höchste Lebendigkeit und zugleich 
eine recht naturalistische Ausführlichkeit; Panzerhemde und 
Schienen sind genau nachgebildet, an dem felsigen Boden Bäum- 
chen und Gewürm angedeutet, und der Körper des Pferdes ist 
mit Kreisen bedeckt, Welche vielleicht die dunkeln Stellen eines 
Schecken oder im Allgemeinen die Haare wiedergeben sollen. 
Die Körperkenutniss entspricht nun freilich der kühnen Intention 
nicht völlig, an der Bewegung des Pferdes würden unsere Kenner 
manches auszusetzen haben; aber lebendig ist es durch und 
durch, das Boss in der Bewegung des Sprunges und mit dem 
abgewendeten Kopfe, der Reiter mit gestrecktem Beine steil in 
den Bügeln stehend. Die für ein öffentliches Monument sehr 
kleine Dimension (etwas mehr als halbe Lebensgrössei) erleich- 
"Ü Vergl. Passavant in v. Quastfs Zeitschrift I, S. 161. Die Inschrift ist 
jetzt nicht mehr vorhanden und lautete: Anno Dom. 1373 hoc opus imaginis 
St. Georgi par Martinum et Georgium de Clussenbach (oder wie Andere gelesen 
haben: Clussenberch] contlatum est. Der Umstand, dass die Verfertiger sich 
nicht Meister nennen, scheint darauf zu deuten, dass sie nicht zünftige HamL 
werker waren.
        

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