Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Die Spätzeit des Mittelalters bis zur Blüthe der Eyck'schen Schule
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-961008
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-966709
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Deutsche 
Sculptur. 
Herzog Rudolplfs IV. von Oesterreich  1365) und seiner Ge- 
mahlin im Stephansdonle zu YVien, wo der Bildner bei dem Ver- 
suche, den Gestalten eine etwas freiere Lage zu geben, die Ilaltung 
verloren hatä). Aber im Ganzen ist der Kampf überwunden, und 
es hat sich ein neuer Styl gebildet, der zwar nicht frei von male- 
rischer Tendenz, zu einer etwas breiten Behaglirhkcit geneigt, aber 
doch plastisch anwendbar und weiterer Ausbildung fähig ist. Be- 
sondere Beachtung verdienen auf vielen Gräbern die N ebengestal- 
ten, welche entweder auf der Platte selbst, gewöhnlich neben dem 
Haupte des Verstorbenen als Engel oder als vorlescnde Mönche 
den Hergang oder die Empfindungen der Sterbestunde andeuten, 
oder auch bei vornehmen Herren an den Seitenwänden des Sar- 
kophags das 'l'rauergefolge darstellen. Hier finden wir dann die 
weichen Biegungen des Körpers und die dramatische Beweg- 
lichkeit, wie kaum in den Miniaturen, und zwar da es darauf 
ankam, den Schmerz um einen so grossen Herrn recht stark zu 
schildern, mit sehr übertriebener Charakteristik, die selbst an das 
Komische gränzt  YVir sehen daran, dass dieser Naturalismus 
sofort eine Neigung zum Genrehaften entwickelt. 
Unter den in Erz gravirte n Gräbern dieser Epoche in 
Deutschland sind die bedeutendsten die der Bischöfe Burckard 
von Serken und Johann von Mnl  1317 und 1350) im Dome 
zu Lübeck, und der Bischöfe Ludolph und Heinrich  1339 und 
1347) und Gottfried und Friedrirll von Biilow (1- 131-1 und 1375) 
im Dome zu Schwerin, dann die Platten des Proconsuls Hovener 
von 1357 in der N icolaikirche zu Stralsund und des Bürgermei- 
sters Johann von Soest von 1361 zu  Eine genaue 
Portraitähnlichkeit konnte bei der blossen Umrisszeichnung nicht 
entstehen, doch erkennt man das Bestreben zu individualisiren 
auch hier. Die Anordnung und die ornamexitistischun Details 
sind bei allen übereinstimmend, die Bestattcten stehen oder liegen 
m] Vergl. eine Abbildung in Tschischka, der St. Stephans-Dom, Taf. 35. 
M) Vergl. z. B. die Gestalten an dem obenerwähnten Grube in der Schloss- 
kirche zu Querfurt bei Puttrich a. a. O. Taf. 9 und 10. 
agil") Die Schweriner von Lübke im D. K. Bl. 1852, S. 306 anschaulich be- 
schrieben. Die Lübecker in Milde, Denkmäler der bild. K. in Lübeck, 1. Hft, 
zum Theil in farbigem Facsimile, die von Thorn bei Vogt Gesch. von Preussen, 
Band VII, die von Stralsund in Kugler kl. Sehr. I, 787.
        

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